Solingen: Hering: Strohhalm nach Pleite
VON MARTIN OBERPRILLER - zuletzt aktualisiert: 04.08.2009Solingen (RPO). 66 Mitarbeitern des insolventen Autozulieferers wurde gekündigt, nachdem noch kein Investor gefunden wurde. Es ist kaum Geld für den Sozialplan da. Eine Hoffnung bleibt aber: Verhandlungen mit Interessenten laufen weiter.
Die Hoffnung stirbt zuletzt. Und das war auch der Grund dafür, dass sich gestern Morgen ein Angestellter der insolventen Hering Fertigungstechnik im IG-Metall-Büro in Remscheid beraten ließ.
Zunächst einmal haben alle 66 Mitarbeiter des Unternehmens aus dem Dycker Feld die Kündigung erhalten. Die Suche nach Investoren blieb in der Zeit der vorläufigen Insolvenz vergeblich. Und nachdem nun das Ausfallgeld ausläuft, sah sich Insolvenzverwalter Thomas Luger gezwungen, zu handeln. Bis auf weiteres, so der der Stuttgarter Anwalt gestern, würden bis Ende Oktober die noch ausstehenden Aufträge abgearbeitet.
Ob dann aber endgültig Schluss ist, steht noch nicht fest – und darum hat Norbert Lux von der IG Metall alle Hände voll zu tun. "Wir empfehlen, Einspruch gegen die Kündigungen einzulegen", erklärte der Gewerkschafter. Denn sollte doch noch ein Interessent für die Hering-Gruppe gefunden werden, die wiederum zur Saltus AG gehört, wären die jetzt gekündigten 66 Beschäftigten, von denen im Augenblick 20 freigestellt sind, weiter an Bord.
Einen "letzten Strohhalm" nennt Norbert Lux diese Aussicht, während sich Insolvenzverwalter Luger bemüht, Investoren an Land zu ziehen. Das Problem: Hering mit Sitz in Aspach beliefert die Automobilindustrie, unter anderem mit Einspritzsystemen sowie Dieselpumpenfiltern aus dem Solinger Werk.
Doch im Augenblick geht es der Branche schlecht – und das verschärft zugleich ein zweites Problem, das vor allem den hiesigen Standort trifft: Hering Fertigungstechnik ist nichts weiter als eine "Werkbank" des Unternehmens. Ergo erscheint es fast unmöglich, die Solinger Dependance einzeln zu veräußern. Dennoch will Thomas Luger noch nicht die Flinte ins Korn werfen: "Es sind Interessenten da."
"In der Vergangenheit wurden Fehler gemacht", klagt derweil Betriebsratsvorsitzender Metin Arsnaloglu. So seien die Arbeitnehmervertreter zu spät über die Lage des Unternehmens in Kenntnis gesetzt worden, das so namhafte Firmen wie Conti und Bosch zu seinen Kunden zählt. Was besonders verbittet, ist, neben dem drohenden Verlust der Arbeitsplätze, ein nur sehr dürftiger Sozialplan. "Ob und wann Geld fließen wird, steht noch nicht fest", berichtete gestern IG-Metaller Lux.
Insolvenzveralter Thomas Luger setzt hingegen auf die noch verbleibende Zeit. Vielleicht gelinge es, mögliche Inverstoren mit der Produktion bis Ende Oktober zu überzeugen. Dann müsse allerdings eine Lösung gefunden sein. Luger: "Hering arbeitet defizitär. Und wir können das nicht mehr überbrücken."
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