Solingen: Höhere Taktzeit für Hygiene
VON MAXINE HERDER UND MARTIN OBERPRILLER - zuletzt aktualisiert: 16.11.2009Solingen (RPO). In Zeiten der Schweinegrippe gehen Desinfektionsmittel weg wie warme Semmeln. Aber sicher ist sicher: Die Stadtwerke bieten ihren Busfahrern eine Impfung an und überlegen, die Reinigung der Fahrzeuge zu verstärken.
Impfkampagne
Das städtische Gesundheitsamt rät insbesondere chronisch Kranken, Angestellten in medizinischen und pflegerischen Bereichen sowie im Bereich von Sicherheit und Ordnung dazu, sich impfen zu lassen.
Wie lange die Wirkung des Impfstoffes anhält, ist nach Auskunft von Gesundheitsamtsleiter Joachim Eichenberg jedoch nicht bekannt. In Solingen wird in der Regel nur ein Mal geimpft, lediglich ältere Menschen erhalten zwei Spritzen.
Das obere Fach im Regal des Drogerie-Marktes am Graf-Wilhelm-Platz ist schon wieder fast leer: Nur noch eine der Plastikflaschen mit antibakteriellem Handgel steht dort zum Verkauf. "Das Gel verkauft sich am besten", sagt die Marktleiterin, "ebenso wie die antibakteriellen Tücher."
Für knapp drei Euro geben sie in Zeiten von Schweinegrippe Sicherheit – oder zumindest ein Gefühl davon. "Man merkt schon, dass die Leute aufgeregt sind", fügt die Frau hinzu. "Momentan bestellen wir die Desinfektionsmittel permanent nach."
Und nicht nur sie: Während eine andere Drogerie noch einige Flaschen Haut-Desinfektionsspray in den Regalen hat, sind sie bei in einem weiteren Laden schlichtweg ausverkauft. "Und jetzt wird es auch schon schwer mit der Nachlieferung", sagt eine Verkäuferin. "Wir warten bereits seit Tagen auf neue Ware."
Da haben es die Busfahrer der Solinger Stadtwerke (SWS) nachgeradezu gut. Denn die Außendienstler der Verkehrsbetriebe haben bereits vor Wochen von ihrem Arbeitgeber Desinfektionsmittel sprichwörtlich in die Hände gedrückt bekommen. "Damit können die Fahrer dann vor ihrem Dienstanbtritt das Lenkrad abwischen", erklärt Geschäftsführer Conrad Troullier, dessen Unternehmen die Schweinegrippe durchaus ernst nimmt.
Denn schließlich sind die Busse der Stadtwerke so etwas wie der ideale Nährboden für das Virus. Tausende Menschen benutzen tagtäglich die SWS-Fahrzeuge, um zur Schule, zur Arbeit oder zum Einkaufen zu kommen. Berührungen sind da – vor allem zu den Stoßzeiten – beim besten Willen nicht zu verhindern.
Zwar will man bei den Verkehrsbetrieben nicht gleich in Panik verfallen. So hat man den bisherigen, monatlichen Turnus der gründlichen Innenreinigung in den Fahrzeugen noch nicht verändert, wie Chef Troullier berichtet. Gleichwohl aber behalte man sich "so etwas vor", stellt der Herr der Solinger Busse klar, der keinen Zweifel daran lässt, dass man bei den Verkehrsbetrieben in Sachen Hygiene die Taktzeiten noch zu erhöhen im Stande ist.
Ein Vorbild könnte da die Praxis von Dr. Stephan Zuleger sein. Der Mediziner ist einer der Solinger Impfärzte. Die Verwendung von Hand-Desinfektionsmitteln ist seinem Team längst in Fleisch und Blut übergegangen. Aber der beste Schutz ist und bleibt natürlich weiterhin die Bekämpfung des Virus selbst.
Darum hat man in der zurückliegenden Woche bei den Verkehrsbetreiben begonnen, die Belegschaft, wenn gewünscht, zu impfen. Etwa 200 Busfahrer stehen bei den Stadtwerken in Lohn und Brot, dazu kommen noch Beschäftigte, die zum Beispiel im Service-Center ebenfalls viel Kundenkontakt haben.
"70 Leute wollen sich bei uns immunisieren lassen", weiß Conrad Troullier, der als Chef in der ersten Impf-Runde mit gutem Beispiel voranging und sich mit 40 anderen Stadtwerkern eine Spritze verpassen ließ. Im Augenblick wartet man bei den Verkehrsbetrieben auf eine zweite Lieferung des Serums. Dann soll auch der Rest der Impf-Willigen an die Reihe kommen. Und bis es so weit ist, gilt es die üblichen Hygieneregeln zu beachten.
"Im privaten Bereich ist häufiges, gründliches Händewaschen meist ausreichend", erklärt Dr. Zuleger als Experte, während man in der Schwanen-Apotheke durchaus die Verunsicherung der medizinischen Laien notiert hat. Man merke, sagt jedenfalls Apothekerin Chiara Disarò, "die Panik" der Kunden. "Sie wollen sich irgendwie schützen. Wir haben allein in diesem Monat bereits rund 50 Flaschen verschiedene Desinfektionsmittel verkauft."
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