Solingen: Im Job Durchhaltevermögen gezeigt
VON ALEXANDER RIEDEL - zuletzt aktualisiert: 22.02.2012Solingen (RP). Strahlend empfängt Thomas Groh die Urkunde aus den Händen von Lebenshilfe-Geschäftsführer Andreas Engeln. Dieser ist gestern in die Geschäftsstelle des Paritätischen Wohlfahrtsverbands in Wald gekommen, um die 16 Absolventen der Berufsbildung in der Werkstatt für Behinderte (WfB) zu würdigen. "Sie haben gute Chancen, auf dem ersten Arbeitsmarkt Fuß zu fassen", gibt Engeln dem jungen Mann mit auf den Weg. "Ich möchte noch drei bis vier Jahre in der Lebenshilfe bleiben, und mich dann regulär bewerben," skizziert Thomas Groh seine Zukunftspläne.
Der 28-Jährige leidet am Klinefelter-Syndrom, einer angeborenen Chromosomenstörung, die sich unter anderem durch Lernschwierigkeiten bemerkbar machen kann. Ursprünglich strebte Groh eine Ausbildung zum Speditionskaufmann an, um in die Fußstapfen seines Vaters zu treten. Auch eine Tätigkeit als Erzieher kam für ihn in Frage. Beides scheiterte aber an seinem Gendefekt. So gelangte der gebürtige Osnabrücker über das Arbeitsamt zur Lebenshilfe. Nach einem Praktikum erhielt Groh rasch eine Festanstellung in der Eissporthalle, entschied sich aber, seine Ausbildung in der Lebenshilfe fortzusetzen. Dort arbeitet er in der Metallverarbeitung. Sein Fachgebiet ist das Tampondruckverfahren. Die festgeschriebene Arbeitszeit liegt bei 35 Stunden. "Oft hänge ich aber freiwillig noch ein paar Stunden dran", erzählt der 28-Jährige schmunzelnd.
Mit seinem hohen Einsatz ist er nicht allein: Auch Jan Niklas Winkler (22) erhält an diesem Dienstag sein Zertifikat. Er arbeitet in der Küche der Zwillingswerke. "Manchmal bin ich da gar nicht zu bremsen", sagt er. Er war ebenfalls über das Arbeitsamt zur Lebenshilfe gelangt. "Vorher habe ich alles mal gemacht", berichtet Winkler. Die Absolventen der Berufsbildung werden in sieben verschiedenen Bereichen eingesetzt: Der Verpackung und Montage von Waren, der Metallverarbeitung, der Hauswirtschaft, im Garten- und Landschaftsbau, im Bereich Blumen und Zierpflanzen, sowie in der Logistik und in der kreativen Produktion. "Mit insgesamt 90 Lehrlingen sind wir praktisch der größte Ausbildungsbetrieb in Solingen", sagt Christoph Gärtner, Leiter des Berufsbildungsbereichs der WfB. Hier werden psychisch Kranke und geistig Behinderte in das Berufsleben integriert.
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