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Solingen: „In der Gemeinde kocht es“

VON GÜNTER TEWES - zuletzt aktualisiert: 28.02.2008

Solingen (RPO). Erst Widdert, nun der evangelische Gemeindebezirk Mangenberg – die Debatte um Presbyteriums-Wahlwerbung zieht immer weitere Kreise. Tenor: „Das war Wahlmanipulation der Oberen des Kirchenkreises.“

Die Mangenberger Kirche im Rücken: Von der Presbyteriumswahl wurden(v.l.) Klaus Moldt, Melanie Witte mit Sohn Benjamin und Dirk Reh ausgeschlossen.  Foto: RPO
Die Mangenberger Kirche im Rücken: Von der Presbyteriumswahl wurden(v.l.) Klaus Moldt, Melanie Witte mit Sohn Benjamin und Dirk Reh ausgeschlossen. Foto: RPO

Melanie Witte, Dirk Reh und Klaus Moldt wären gerne neue Presbyter geworden. Deshalb haben die Mangenberger auch ein Flugblatt mit ihren Namen und ihrem Anliegen herausgegeben, um sich in der evangelischen Kirchengemeinde Wald vorzustellen. Das ist ihnen zum Verhängnis geworden. Vier Tage vor der Presbyteriumswahl am vergangenen Sonntag sind die drei vom Kreissynodalvorstand unter Vorsitz von Superintendent Klaus Riesenbeck von der Liste genommen worden, wegen „unerlaubter Wahlwerbung“. Die drei sind empört: „Der Streichung unserer Kandidatur ging eine regelrechte ,Hetzkampange’ voraus. Ein solches Verhalten stößt alle Gemeindemitglieder vor den Kopf, die sich für eine lebendige Gemeinde einsetzen.“

Info

Nur in Solingen

In 42 Kirchenkreisen der evangelischen Kirche im Rheinland mit 777 Gemeinden sind am Sonntag neue Presbyterien gewählt worden. Doch nur in Solingen ist eine Wahl abgesagt (Widdert), sind Kandidaten wegen Wahlwerbung von der Liste genommen worden (Wald/Mangenberg).

Jedoch geht es um viel mehr als um Wahlwerbung. Pfarrer Thomas Förster, Sprecher im evangelischen Kirchenkreis, spricht von einem zunehmenden Entscheidungsdruck, der auf Presbyterien als Leitungsgremien mit Etat-Verantwortung lastet: „Aufgrund knapper werdender Finanzmittel werden die Auseinandersetzungen über den Kurs in den Gemeinden heftiger.“ In Widdert hat die Kindergartenfrage die Wahl überschattet. In der evangelischen Kirchengemeinde Wald ist es wohl der Erhalt der Stelle des eigenen Pfarrers für Mangenberg. Melanie Witte: „Wir fordern, dass Pfarrerin Bärbel Schweizer nicht abberufen wird. Wir haben nur eine Pfarrerin. Die möchten wir behalten.“

Dabei ist Wahlkampf erlaubt. „Selbstverständlich dürfen sich Kandidaten persönlich vorstellen – auch mit ihren Programmen, damit die Gemeinde den Kandidaten kennen lernt“, sagt Eva Schüler, Sprecherin der evangelischen Kirche im Rheinland, und zieht die Grenze zur Politik. „Es dürfen aber nicht einzelne Personen oder einzelne Themen kontrovers gegeneinander antreten.“ Dass man als Kandidat für die Kindergartenarbeit eintrete, sei kein Tabu. „Es kommt auf die Schlagseite an, die solch ein Thema bekommt.“

„Es war ein Flugblatt mit harmlosem Text“, findet Melanie Witte. Für Kirchenkreissprecher Förster ist es aber dennoch unerlaubte Wahlwerbung. Grund: Nicht alle Kandidaten, sondern nur einzelne Namen standen auf dem Flugblatt. Genau fünf Namen waren es. Ein Bewerber hat daraufhin seine Kandidatur zurückgezogen. Ein weiterer ist der Aufforderung des Kreissynodalvorstandes nachgekommen, hat sich bei einer Gemeindeversammlung öffentlich erklärt und ist bei der Wahl zugelassen worden.

Für Dirk Reh, Klaus Moldt und Melanie Witte kam das nicht in Frage. „Wir wurden vom Superintendenten zu Erklärungen genötigt, die nicht unserem freien Willen entsprachen.“ Melanie Witte: „Wir fordern eine Neuwahl mit allen Kandidaten. Das war Wahlmanipulation der Oberen des Kirchenkreises.“

So steht nach Widdert, wo die komplette Presbyteriumswahl wegen Wahlwerbung abgesagt wurde (wir berichteten), jetzt die nächste Kirchengemeinde unter Schock. „Es kocht hier“, beschreibt Melanie Witte gegenüber unserer Zeitung die Stimmung. Man sei „stinkwütend“. „Wir sind die Kandidaten, die die Gemeinde wählen wollte.“ Nach ihrer Ansicht steckt mehr dahinter. „Man hat uns als Mangenberger von der Wahlliste gestrichen, um missliebige Kandidaten loszuwerden, die im Besonderen für den Außenbezirk Mangenberg eintreten wollen – was durchaus legitim ist.“

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Quelle: RP

 
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