Solingen: In der Hitze des Bades
VON ANNEMARIE KISTER-PREUSS - zuletzt aktualisiert: 27.06.2009Solingen (RPO). Das Ensemble Profan begeisterte die Zuschauer im Birkerbad mit einer Neuinszenierung von Eugène Ionescos tragischer Farce "Die Stühle". Gespielt wurde auf einer im Wasser aufgebauten Bühne.
Nach langem Theater um das ehrwürdige Backsteingebäude an der Birker Straße gab es am Donner-stagabend Theater im Birkerbad. Und anders als auf der politischen Bühne, gelang der Inszenierung von Michael Tesch vor allem eines: alle zu begeistern. Am Ende minutenlanger Applaus für die beiden Darsteller Renate Kemperdick und Uwe Dahlhaus, die trotz schweißtreibender Temperaturen den beiden Protagonisten in dem 1952 erschienenen Stück des rumänischen Dramatikers Eugène Ionesco Gestalt verliehen. Der Applaus galt aber auch Musiker Mutz, der auf der Empore das Stück begleitete, und nicht zuletzt der farbenfrohen Illumination im nach außen völlig abgedunkelten Bad, für die der technische Leiter des Theaters, Klaus-Peter Voigt, mit seiner Mannschaft verantwortlich war.
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Heute um 19 Uhr und am morgigen Sonntag, 28. Juni, um 16 Uhr gibt es noch je eine Vorstellung von Eugène Ionescos Einakter "Die Stühle" durch das Ensemble profan in der Schwimmhalle des Hallenbades an der Birker Straße.
Eintrittskarten hierfür kosten 17 Euro. Einlass ist jeweils eine Stunde vor Beginn der Vorstellung.
Im Foyer des Bades werden von der Lebenshilfe vor und nach der Vorstellung sowie in der Pause Speisen und Getränke zum Verkauf angeboten.
Sie trinkt Tee, er Rotwein, 75 Jahre ist das Ehepaar verheiratet, nach einem sinnlosen Leben klammern sich die beiden an ihre Erinnerungen, deklamieren vor leeren Stühlen sinnlose Phrasen und auch die Botschaft, die der Mann über einen Redner verkünden möchte, will keiner hören. Auch wenn in Wahrheit niemand kommt, wird der Zuschauer neugierig gemacht auf die Gästen des Paares. Die Dame mit Hut, den Herrn Oberst. Denn im Gespräch mit den imaginären Gäste laufen Renate Kemperdick und Uwe Dahlhaus zu Hochform auf, machen gespannt auf den nächsten Besucher. Als Ende gar der Kaiser dem alten Ehepaar die Ehre erweist, sieht man ihn förmlich vor sich. Wenn die Bühne, die ins Wasser gebaut wurde, schließlich voll mit leeren Stühlen ist, trifft auch der Redner (Daniel Baranski) per Schlauchboot ein – ein Taubstummer, der wortlos in Redemanuskripten blättert und dann ein paar zusammenhanglose Silben deklamiert.
"Das ist ein echtes gesellschaftliches Ereignis", kommentierte die ehemalige Landtagsabgeordnete und Bürgermeisterin Erika Rothstein das Theater im Birkerbad, mit dem neben dem 25-jährigen Bestehen des Ensembles Profan auch der 50. Geburtstag der Lebenshilfe Solingen gefeiert wurde. Während sich die Zuschauer im Birkerbad am Theater erfreuten, beschloss der Rat ein paar Straßen weiter im Konzertsaal einstimmig, das Bad der Lebenshilfe zu übertragen. Schon im September nach der Sommerpause sollen entsprechende Verträge abgeschlossen werden.
Für einen erfolgreichen Neuanfang im Birkerbad hat das Ensemble Profan die besten Voraussetzungen geschaffen, und so mancher Zuschauer wusste gar nicht, was für ein nostalgisches Schätzchen da an der Birker Straße schlummert.
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