Solingen: In der Hölle ist jeder ein Folterknecht
VON ANNEMARIE KISTER-PREUSS - zuletzt aktualisiert: 13.03.2008Solingen (RPO). Jean Paul Sartres Hölle könnte ein modernes Unternehmensmanagement zugrunde liegen: Warum jemanden beschäftigen, dessen Aufgaben von bereits vorhandenen Personal mit übernommen werden können? In der Hölle, in der die drei Protagonisten der „Geschlossenen Gesellschaft“ einander auf immer und ewig ausgeliefert sind, wird jeder zum Folterknecht des anderen.
„Die Hölle, das sind die anderen“ ist so auch der wohl bekannteste Satz aus dem 1944 uraufgeführten Schauspiel, das bis heute nicht an Aktualität eingebüßt hat. Jene, die zu Lebzeiten andere – jeder auf seine ganz eigene Weise – gequält haben, sind jetzt einander ausgeliefert, ohne die geringste Chance, zu entfliehen. Zu Lebzeiten hätten sie angesichts dieser Spannungen einander vermutlich umgebracht, doch sie sind ja bereits tot und so gibt es kein Entrinnen.
Am Ende müssen alle scheitern
Die Darsteller des Ensemble Profan machen das den Zuschauern bei der ausverkauften Premiere auf der Studiobühne im Theater dabei jeder auf eine ganz unverkennbare Weise klar. Uwe Dahlhaus als Garcin, Redakteur, Deserteur, Feigling, nur anfangs bemüht, vor den beiden Frauen den Helden und Widerstandskämpfer zu geben, getrieben von der alles durchschauenden Inès, der Renate Kemperdick erschreckend authentisch Gestalt verleiht.
Verzweifeln muss sie am Ende in ihrem erfolglosen Werben um die schöne, kühle und doch am Ende ebenso resignierende Estelle. Dajana Berkenkopf spielt sie zwischen kapriziös und naiv, zwischen berechnend und verzweifelt und muss am Ende ebenso kläglich scheitern wie die anderen. Sie alle agieren in dieser Inszenierung von Michael Tesch in einem kargen Bühnenbild, drei Bänke, ein Papiermesser, eine Bronzefigur, eine Tür, die verschlossen ist, eine Klingel, die nicht funktioniert wenn man nach dem Diener (Daniel Baranski) läutet.
Dichte Inszenierung
„Geschlossene Gesellschaft“ hat ein vorhersehbares Ende. Dass die Spannung dennoch bis zuletzt erhalten bleibt, ist Verdienst einer dichten Inszenierung mit ausgezeichneten Darstellern. In Sartres Hölle entlädt sich bei den Protagonisten die Spannung am Ende in hysterischem Lachen und der Erkenntnis: Machen wir weiter, denn es gibt keinen Ausweg. Und bei den Zuschauern, die gerade knapp 90 Minuten das Geschehen auf der Bühne hochkonzentriert verfolgt haben, löst sie sich beim kaum hörbaren Quietschen des letzten Vorhangs. Viel Applaus für die Darsteller, die eins mit ihren Rollen geworden waren – von der ersten bis zur letzten Minute.
Ausverkauft ist die Vorstellung am morgigen Freitag auf der Studiobühne im Theater.
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