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Solingen: In Solingen zuhause

VON SUSANNE GENATH - zuletzt aktualisiert: 28.01.2009

Solingen (RPO). Vor 24 Jahren kam Maria Esther Feith-Gonzalez nach Deutschland. Am Dienstag erhielt die gebürtige Spanierin die deutsche Staatsangehörigkeit. Die Sprache der neuen Heimat zu sprechen, ist für sie das A und O.

Maria Esther Feith-Gonzalez vor dem neuen Rathaus. Seit einem halben Jahr lebt sie mit ihrem Ehemann, dem Beigeordneten Norbert Feith, und ihren zwei Töchtern in Solingen.   Foto: RPO
Maria Esther Feith-Gonzalez vor dem neuen Rathaus. Seit einem halben Jahr lebt sie mit ihrem Ehemann, dem Beigeordneten Norbert Feith, und ihren zwei Töchtern in Solingen. Foto: RPO

Auf diesen Abend hat sich Maria Esther Feith-Gonzalez schon lange gefreut. "Es ist ein Privileg", sagt die 45-jährige gebürtige Spanierin. "Und es ist für mich der letzte Schritt der Integration." Im Theater und Konzerthaus wurde ihr die deutsche Staatsbürgerschaft verliehen.

Als sie vor 27 Jahren den heutigen Beigeordneten Norbert Feith während dessen Auslandsstudium in Madrid kennen lernte, sprach sie noch kein Wort Deutsch. Drei Jahre später heiratete ihn die ausgebildete Krankenschwester und zog mit ihm nach Bonn. Trotz vorheriger Sprachkurse ein nicht leichter Start. "Deutsch ist eine sehr schwierige Sprache", sagt Maria Esther Feith-Gonzalez. "Manchmal hat man das Gefühl, sie besteht nur aus Ausnahmen."

Info

Einbürgerung

281 Menschen wurden im vergangenen Jahr eingebürgert. Nur EU-Bürger dürfen dabei auch die Staatsangehörigkeit ihres Heimatlandes behalten. Seit September 2008 müssen alle, die keinen deutschen Schulabschluss haben, einen Einbürgerungstest machen. 80 Personen haben dies bisher getan, nur zwei von ihnen mussten die Prüfung im vergangenen Jahr wiederholen.

Doch sie ließ sich nicht entmutigen. "Ich wollte die Sprache lernen, um selbstständig zu sein und mir beruflich etwas aufbauen zu können." Und so war die zweifache Mutter zunächst als Krankenschwester und später beim Medizinischen Dienst der Krankenkassen (MdK) tätig. Nebenher engagierte sie sich ehrenamtlich in Vereinen und half Menschen, die mit dem bürokratischen Regelwerk der Krankenkassen nicht zurecht kamen. Mit Spaniern hatte Feith-Gonzalez nur wenig zu tun. "Ich wollte lieber Deutsch lernen."

Und dennoch musste sie immer wieder mit Vorurteilen kämpfen. "Für eine Ausländerin haben Sie sich aber hochgearbeitet", bekam sie zum Beispiel des öfteren während ihrer Arbeit beim MdK von taktlosen Gesprächspartnern zu hören. "Manchmal werden Menschen auch unsachlich, bloß weil ich eine Ausländerin bin."

Neben Maria Esther Feith-Gonzales erhielten gestern auch der Türke Cihan Ötün und die Jamaikanerin Dahlia Viola Lippert von Oberbürgermeister Franz Haug die Einbürgerunsurkunden. Foto: RPO

Noch genau erinnert sich die 45-Jährige, die mit ihrer Familie vor einem halben Jahr von Bonn nach Gräfrath gezogen ist, an ihre erste Zeit in Deutschland. "Meine Mutter war zu Besuch, und ich wollte in einem Geschäft Parmaschinken kaufen", erzählt die begeisterte Hobbyköchin. Mit damals noch gebrochenem Deutsch habe sie ihren Wunsch geäußert, doch die Verkäuferin habe nur geantwortet: "Das ist zu teuer für Sie." Erst nachdem Maria Esther Feith-Gonzalez der Angestellten freundlich klar gemacht habe, dass sie sehr wohl wisse, was sie sich leisten könne, habe sie den Schinken bekommen.

"Vorurteile tun mir weh und sind gemein", sagt sie. "Es gibt schließlich nur wenige Deutsche, die sich hier so engagieren wie ich." Sie wünscht sich deshalb, dass sich die Menschen respektvoll begegneten, und zu einem respektvollen Umgang erziehe sie auch ihre beiden 13 und 15 Jahre alten Töchter. Schließlich entsprächen die wenigsten Menschen dem Klischee, das ihrer Nation nachgesagt werde. "Die Deutschen laufen ja auch nicht alle mit kurzen Hosen herum und sind nicht alle so bürokratisch, wie es heißt." Ebenso wenig hätten alle Solinger die sture bergische Mentalität.

Nur wer offen sei, könne vom anderen lernen. "Ich bin zwar von Spanien nach Deutschland gezogen, habe aber deshalb nicht meine Heimat verloren, sondern eine weitere dazugewonnen." Dafür sei es allerdings wichtig, die Sprache der neuen Heimat zu sprechen. "Nur so kann man sagen, wo einem der Schuh drückt, und Missverständnisse aufklären. Denn aus Missverständnissen entstehen oft Vorurteile."

Ihren Wurzeln entsagen wollte die Flamenco-Lehrerin, die regelmäßig Kurse gibt, aber auch nicht. "Deshalb habe ich bis jetzt mit dem Beantragen der deutschen Staatsbürgerschaft gewartet, obwohl ich hier schon lange mitgestalten und wählen gehen wollte", erzählt Maria Esther Feith-Gonzalez. Erst seit kurzem sei die deutsch-spanische Doppelstaatsbürgerschaft erlaubt. Und diese Kombination beider Nationen sei es auch, die sie ausmache. "Mein Mann sagt, ich sei eine gefährliche Mischung", berichtet sie. "Ich hätte die deutsche Genauigkeit zusammen mit dem südländischen Temperament."

Quelle: RP

 
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