Solingen: Junge Mädchen verprügelten Kinder
VON MARTIN OBERPRILLER - zuletzt aktualisiert: 09.07.2009Solingen (RPO). Es kam einem Alptraum gleich: Eben erst waren die drei Mädels aus dem Cinemaxx gekommen. Die Schülerinnen hatten an diesem Dezembertag die Vorabend-Vorstellung besucht. Inzwischen war es dunkel geworden, so gegen acht am Abend, doch was sollte es!? Der Film hatte den Kindern gefallen, die 11-Jährigen lachten, und jetzt mussten sie ja auch nur noch wenige Meter über die Hauptstraße, um wieder bei den Eltern zu sein. Also eigentlich alles im grünen Bereich, denn die Erwachsenen warteten schon auf einem nahen Parkplatzauf ihre Mädchen. Aber als die Kleinen endlich ankamen, war der Film im Kino längst vergessen, das Lachen Tränen gewichen. Drei ältere Mädchen hatten dem Trio nämlich an jenem Abend aufgelauert, hatten die Jüngeren beleidigt, geschubst, verprügelt – und die Kinder auch noch gehindert, bei den Eltern Hilfe zu suchen.
"Ich wollte nicht in ein Altenheim"
Was wiederum verständlich machte, dass die Frau, die gestern Vormittag im Zuschauerraum des Solinger Jugendschöffengerichts Platz genommen hatte, diesmal ihre Tochter keinen Augenblick aus den Augen ließ. Denn die inzwischen 13-Jährige, die im Dezember 2007 Opfer geworden war, musste jetzt die Erlebnisse von einst noch mal durchleiden. Und das alles nur, weil es eine der Täterin es nicht für nötig befunden hatte, die ihr in einem ersten Verfahren aufgebrummten Sozialstunden abzuleisten.
"Ich wollte nicht in ein Altenheim, sondern in den Vogelpark", gab die 16-Jährige gleich zu Beginn des gestrigen Prozesses ebenso kleinlaut wie schlicht zu Protokoll. Inzwischen scheint die Jugendliche zwar wieder Fuß gefasst zu haben, aber davor war sie, obwohl aus bürgerlichem Hause, lange drauf und dran, ihr noch junges Leben nachhaltig an die Wand zu fahren. Schule? Kein Bock! Viel cooler war es, mit Freundinnen abzuhängen – und, wenn einem danach war, auch mal auf Schwächere loszugehen.
Nun konnte der Angeklagten zwar nicht nachgewiesen werden, dass sie bei der Attacke auf die Kinder selbst zugeschlagen hatte. Aber die Version, sie habe ihre wild gewordenen Schwestern in Christo, die längst verurteilt sind, sogar noch zurückhalten wollen, nahm ihr auch niemand ab. Zumal sich das Opfer gestern erinnerte, es sei damals an der Flucht gehindert worden. Die Quittung: Statt Einstellung und 40 Sozialstunden wurde die junge Dame nun verwarnt und bekam überdies einen Arbeitszuschlag auf 60 Stunden verpasst. Die sie tunlichst ableisten sollte, wenn sie einen Arrest vermeiden will. "Das ist ihre letzte Chance", schrieb der Vorsitzende Richter der Delinquentin ins Stammbuch – frei nach Motto, dass Gerichtsverfahren keine Wunschkonzerte sind.
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