Solingen: Kein Kontakt zur Familie
VON ANNEMARIE KISTER-PREUSS - zuletzt aktualisiert: 04.02.2011Solingen (RPO). Ihre Verwandten in der Heimat haben die Ägypter Mamdouh Amer und Said El Fawakhry seit Tagen nicht mehr erreicht. Telefon- und Internetverbindungen sind unterbrochen. Beide sind in großer Sorge.
Beide sind 58 Jahre alt, beide kamen vor 31 Jahren nach Deutschland, beide sind in großer Sorge um ihre Verwandten in Ägypten. Said El Fawakhry und Mamdouh Amer haben Brüder und Schwestern in der Heimat, die sie inzwischen nicht mehr telefonisch und auch nicht per E-Mail erreichen können.
"Der Kontakt ist ungefähr vor zehn Tagen abgebrochen", erzählt Mamdouh Amer, der fünf Geschwister in Ägypten hat. Der IT-Spezialist in den Diensten der Stadt Solingen stammt aus Alexandria, wo gestern Randalierer das allgemeine Chaos im Land ausnutzten und nicht einmal vor einem SOS-Kinderdorf haltmachten. Mamdouh Amer ist seit 1994 in verschiedenen Dienststellen der Stadt eingesetzt gewesen, derzeit koordiniert er in der gemeinsamen Feuerwehrleitstelle Solingen-Wuppertal die Einsätze.
Zuletzt im Juli in Ägypten
"Ich versuche im Moment jeden Abend, meinen Bruder per Handy zu erreichen, doch immer ist die Verbindung schon unterbrochen, wenn ich erst wenige Ziffern gewählt habe", schildert der Diplom-Ingenieur seine Bemühungen, in Verbindung mit seinen Verwandten zu treten. Die Internetverbindung sei schon lange abgebrochen. "Mubarak versucht im Moment, das Chaos im Land komplett zu machen", sagt der Ägypter über den Zustand in seinem Heimatland, das er im vergangenen Juli zuletzt besucht hat. "Nicht direkt meine Heimat, ich habe Urlaub am Roten Meer gemacht", sagt der 58-Jährige, der mit seiner Frau und der 14-jährigen Tochter in Langenfeld wohnt.
Said El Fawakhry treffen die blutigen Unruhen in seinem Heimatland doppelt hart. Einmal sorgt sich der 58-Jährige um Bruder und Schwester, Neffen und Nichten, zum anderen sind seine Handelsbeziehungen zur Heimat derzeit abgebrochen.
Der Kaufmann aus Suez exportiert Maschinen nach Ägypten und in andere arabische Länder. In den vergangenen beiden Wochen kamen seine Geschäfte nahezu zum Erliegen. Auch El Fawakhry hat seine Heimat schon vor 31 Jahren verlassen, doch seine Heimat werde Ägypten immer bleiben, auch wenn er Deutschland liebe und in der ganzen Welt leben könne.
Im Moment ist Said El Fawakhry froh, dass er mit seiner Frau und den vier Kindern im Alter zwischen 17 und 22 Jahren sicher in Solingen lebt. Die Stadt ist seit 1995 seine zweite Heimat geworden. Wie auch sein Landsmann Mamdouh Amer verurteilt er das Regime in seiner Heimat und fragt sich wie er, wo all die Milliarden Dollar geblieben sind, die der Westen in sein Land steckte. "Dort werden die Demokratie und die Menschenrechte seit Jahren mit Füßen getreten. Und wer gegen die Regierung ist, wird als Terrorist eingestuft."
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