Solingen: Kein Tag ohne Einbruch
VON GÜNTER TEWES - zuletzt aktualisiert: 07.09.2010Solingen (RPO). Die Einbruchserie in Firmen, Geschäfte und vor allem in Wohnungen reißt nicht ab. Dabei kommt die dunkle Jahreszeit, in der Diebe vermehrt zuschlagen, erst noch. Die Polizei informiert über den Schutz vor Einbrechern.
Leider geht es bei der Einbruchserie in Häuser, Firmen und Geschäfte, die die Polizei seit langem in Atem hält, nicht immer so kurios zu wie bei dem jüngsten Fall: Ungewöhnliche Beute machten Diebe, die am Wochenende in einer Firma an der Grimmstraße einstiegen. Sie hebelten mehrere Bürotüren auf, durchsuchten die Räume und machten sich am Ende mit zwei Staubsäugern aus dem Staub. Dies hat die Polizei gestern mitgeteilt.
"Das ist eine Katastrophe. Die Zahlen steigen", doch in diesem Jahr sei es extrem, erlebt Hildegard Hergeth-Steinbach die Situation. Sie leitet die Außenstelle des Weißen Rings, bei dem die Opfer Hilfe bekommen.
Wohnungseinbrüche
Im vergangenen Jahr stiegen Einbrecher 260 Mal in Solinger Wohnungen ein. Im Vergleich zum Vorjahr ist das eine Zunahme von 52 Fällen.
Im Gegenzug ist die Aufklärungsquote mit 9,2 Prozent besonders niedrig ausgefallen. Im Jahr 2008 konnten noch 14,9 Prozent der Einbrüche geklärt werden.
Beute: Schmuck und ein Sparbuch
Allein in den vergangenen Tagen haben Einbrecher bei Geschäften an der Brühler Straße, in Häusern beziehungsweise Wohnungen an Wilhelm-, Haupt-, Ruhr- und Brühler Straße zugeschlagen, ebenso in einem Imbiss an der Merscheiderder und einer Firma an der Beethovenstraße. Ihre Beute: Schmuck, Goldketten, ein Sparbuch, Bargeld, eine Geldkassette, aber beispielsweise auch Laptops (wir berichteten).
Während sich Langfinger früher entweder nur auf Wohnungen oder eben Einbrüche in Unternehmen spezialisierten, schlagen Ganoven heute überall zu. "Die Delikttreue ist weg", erklärt Hauptkommisssar Andreas Schaberg, der das Kriminalkommissariat 33 in Solingen leitet. Seine Beobachtung: "Die Täter sind sehr gerissen, die wissen genau, wo der Goldschmuck in der Wohnung versteckt ist."
Häufig handelt es sich bei den Tätern um junge, trainierte Männer (mitunter aus Osteuropa), die durchreisen, in Wohnungen einsteigen, Schmuck, Bargeld und kleine Elektrogeräte zusammenraffen und wieder verschwinden. Zum Täterprofil zählt Hauptkommissar Schaberg aber zugleich die Beschaffungskriminalität von Drogensüchtigen.
Auch er hat den Eindruck, dass die Einbruchszahlen in diesem Jahr weiter gestiegen sind, wenngleich die bisherige Statistik für 2010 noch nicht vorliegt. "Dramatisch ist die Situation aber nicht." Solingen liege hier unter dem Landesschnitt, wertet Schaberg die Lage. Dazu gehört auch, dass es in der Klingenstadt keinen Schwerpunktstadtteil gibt, in dem sich Einbrüche häufen. 260 Mal stiegen Einbrecher im vergangenen Jahr allein in Wohnungen ein. Was aber in keiner Statistik zum Ausdruck kommt, ist der psychische Schaden, der bei den Opfern zurückbleibt, weil in die Privatsphäre eingedrungen wurde. "Zuhause fühlt man sich sicher. Doch diese Sicherheit wird einem vom Einbrecher genommen." Hildegard Hergeth-Steinbach vom Weißen Ring erlebt, dass bei den Opfern dieser Schaden oft sehr viel größer ist, als der finanzielle Verlust. Bei der 60-jährigen Frau, in deren Wohnung in der Innenstadt Einbrecher über den Balkon einstiegen waren, war der Schock sogar so groß, dass sie anschließend umziehen musste – weil sie die Wohnung, in der die Fremden alles durchwühlten, einfach nicht mehr betreten konnte.
Fenster schnell aufgehebelt
"Ein herkömmliches Fenster ohne Einbruchsicherung lässt sich in zehn bis 15 Sekunden ohne Lärm und ohne eine große Kraftanstrengung aufhebeln. Das sollte sich jeder Bürger klar machen", appelliert Dieter Kroll vom Kommissariat Kriminalprävention/Opferschutz an die potenziellen Opfer.
Den Tätern sollte man es so schwer wie möglich machen. Ob am Fenster oder an der Wohnungstür – es gibt nach Krolls Worten "hervorragende Produkte, die die Einbrecher aufhalten". Darüber informiert die Polizei in Solingen kostenlos.
Klar ist den Beamten aber auch, dass mit Beginn der dunklen Jahreszeit, die Zahl der Wohnungseinbrüche traditionell wieder zunehmen.
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