Solingen: Kinder sind Besucher von morgen
zuletzt aktualisiert: 20.12.2008Solingen (RPO). Kulturbüroleiter Hans Knopper zur erfolgreichen Eigeninszenierung „Der Sturm“ durch das Solinger Stadtensemble und zur Zukunft des Kindertheaters in Zeiten knapper Mittel.
Zum zweiten Mal hat das Solinger Stadtensemble unter der Regie von Michael Tesch mit Erfolg ein Shakespeare-Stück für Kinder als Eigeninszenierung im Auftrag des Kulturbüros auf die Bühne gebracht. Kulturbüroleiter Hans Knopper hatte diesmal sogar eine kleine Rolle in den Stück. Wir sprachen mit ihm über seine Eindrücke.
Wie viele Kinder haben die diesjährige Eigeninszenierung „Der Sturm“ gesehen?
Knopper 6300 Kinder waren zu den insgesamt acht Vorstellungen im Theater. Gestern vormittag war die letzte.
Im vergangenen Jahr gab es zum ersten Mal Shakespeare für Kinder vom Solinger Stadtensemble. Waren Sie zunächst skeptisch?
Knopper Nein. Die Idee haben wir ja gemeinsam entwickelt. Ich war nur gespannt, wie die Kinder mit den ungewohnten Namen umgehen. Doch sie erinnern sich nach einem Jahr noch daran, das ist sehr verblüffend. Das spricht für eine intensive und eindrückliche Inszenierung, dabei dachten manche Kinder am Anfang ja noch, sie würden einen Film sehen.
Stadtensemble
Die erste Produktion des Solinger Stadtensembles war 2004 die Aufführung das Stücks „Das Galgenrecht“ in der alten Zollhalle im Südpark. Hierfür wurde das Ensemble aus Mitgliedern des Ensemble Profan, der Bühnenspiele Höhscheid und der Theatergesellschaft Wohlgemuth gegründet und Michel Tesch mit der Leitung betraut. Die erste Inszenierung eines Kinderstücks wurde mit William Shakespeares „Sommernachtstraum“ auf die Bühne gebracht. Wie auch den Sturm hat Uwe Dahlhaus vom Ensemble Profan Shakespeare in kindgerechte Form gebracht.
Zweimal ein Erfolg, wird das Stadtensemble auch das Kinderstück 2009 auf die Bühne bringen oder kann sich die Stadt diese Eigeninszenierungen künftig nicht mehr leisten?
Knopper Kinder sind das Publikum der Zukunft. Daher sollte man in diesem Bereich nicht sparen. Ich werde alles daransetzen, dass es auch künftig solche Inszenierungen gibt. Für die nächste Spielzeit kann ich das auf jeden Fall sagen; der Sparhaushalt greift erst für die darauffolgende Spielzeit. Wir werden das Konzept weiterentwickeln. Den Kindern wird vielschichtige Unterhaltung geboten, die darüber hinaus auch bereits den Einstieg in den Tiefsinn des Theaters bietet.
Worauf führen Sie den großen Erfolg der diesjährigen Kindertheaterproduktion zurück?
Knopper Zunächst einmal glaube ich an das Theater. Doch das Angebot von Unterhaltung und Visualisierung ist kein alleiniger Erfolgsgarant. Die Vor- und Nachbereitung in den Schulen ist ein wichtiger Aspekt. Da wollen wir im nächsten Jahr noch besser werden und noch mehr Schulen einbinden.
Sie haben in diesem Jahr selbst auf der Bühne gestanden und die Rolle des plötzlich verstorbenen Ensemblemitglieds Tommy Ohliger übernommen. Was war das für ein Gefühl, selbst Teil einer erfolgreichen Inszenierung zu sein?
Knopper Zunächst war ich verblüfft, dass bei mir das Lampenfieber nicht so ein Problem war. Aber ich habe ja auch sonst genug Situationen, wo ich Druck habe. In der Gruppe zu sein und zu sehen, wie das Zusammenspiel funktioniert, auch über Gesten, Blickkontakte, die dann alles inhaltlich verknüpfen, das war schon bemerkenswert. Und es reicht ja auch nicht, den Text zu lernen, man muss ja auch körperlich etwas tun, um der Rolle Gestalt zu verleihen. Mein Respekt vor den Schauspielern und dem Regisseur Michael Tesch ist jedenfalls enorm gestiegen.
Annemarie Kister-Preuss stellte die Fragen.
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