Solingen: Kleiner Pfeil, große Wirkung
VON MAXINE HERDER - zuletzt aktualisiert: 28.08.2009Solingen (RPO). Seit 2005 gibt es grüne Pfeile an 15 Stellen in der Stadt. Trotz roter Ampel darf man nach rechts Abbiegen. Wer das Verkehrszeichen nicht wie ein Stoppschild behandelt, kann abkassiert werden. Es winken drei Punkte in Flensburg.
Praktisch bedeutet ein grüner Pfeil im Straßenverkehr die Erlaubnis, auch bei Rot rechts abzubiegen; theoretisch kann ein grüner Pfeil im Straßenverkehr aber auch 120 Euro Strafe, drei Punkte in der Verkehrssünderkartei von Flensburg und einige neue Fälle für die Juristen der Stadt bedeuten.
Sagt zumindest Michael Grützner: "Allein in den vergangenen Wochen habe ich drei Mandanten bekommen, die gegen Strafen wegen Überfahren des grünen Pfeils vorgehen." Die Ursachen dafür liegen für den Solinger Rechtsanwalt auf der Hand: "Für viele sind die Pfeile auch heute noch ein Novum", ist Grützner überzeugt, sie wüssten schlichtweg nicht, dass sie die Räder ihres Fahrzeugs an der "Haltelinie zum Stillstand bringen" müssten.
Zugleich, das beobachte er immer wieder, führe die Polizei insbesondere an den Grünpfeilen vermehrte Kontrollen durch. Für den, der dann nicht stehen bleibt, kann es schnell teuer werden: "Einer meiner Mandanten muss 120 Euro Strafe zahlen und bekommt drei Punkte in Flensburg. Das entspricht der Strafe für das absichtliche Überfahren einer roten Ampel." Sie kontrollierten, stellt Polizeisprecherin Claudia Otto klar, die grünen Pfeile "im Rahmen der Streife". Verstärkte Kontrollen fänden hier jedoch nicht statt.
Dennoch, so Otto, würde das Überfahren eines grünen Pfeils tatsächlich geahndet wie ein Rotlichtverstoß: "Die Geldbußen beginnen bei 35 Euro und gehen bis zu 200 Euro. Verursacht ein Autofahrer einen Unfall, weil er den grünen Pfeil nicht beachtet hat, sind, wie in einem Fall, sogar vier Punkte und ein Monat Fahrverbot möglich."
Für Jurist Grützner ein nicht nachvollziehbarer Vergleich. "Die meisten Leute, die einen grünen Pfeil überfahren, handeln nicht fahrlässig. Sie messen dem unbekannten Verkehrszeichen eine andere Bedeutung zu. Der grüne Pfeil bedeutet für sie durchfahren." Für die wenigen Sekunden, die sich durch das Überfahren eines grünen Pfeils gewinnen ließen, riskierte niemand drei Punkte, ist Grützner überzeugt. Wer von der Polizei mit dem Handy am Ohr erwischt wird, bekommt nur einen Punkt. Die einzigen, die die Regelungen kennen, sind Taxi- und Lkw-Fahrer, also die, die auf ihren Führerschein angewiesen sind."
Dass das nicht ganz stimmt, beweisen die 20 von 33 Autofahrern die in einem Zeitraum von 15 Minuten gestern vorschriftsmäßig an der Haltelinie vor dem grünen Pfeil an der Neuenhofer-/ Ecke Platzhofstraße stoppen – und Maria Eggert: "Ich weiß, dass man an den grünen Pfeilen stehen bleiben muss, wie an einem Stoppschild", sagt die Höhscheiderin, die an diesem Tag zu Fuß unterwegs ist.
Björn Peters, der mit Blick auf den grünen Pfeil direkt an der Höhscheider Kreuzung lebt, ist überzeugt, dass viele Autofahrer die Bedeutung des Verkehrszeichens kennen – zumindest mittlerweile. "Am Anfang war das hier ein tägliches Hupkonzert." Mittlerweile habe sich dies aber gelegt. Er selbst, berichtet der 24-Jährige, habe schon in der Fahrschule gelernt, was man bei einem grünen Pfeil tun soll: "Halten, auf Fußgänger und Radfahrer achten und erst dann losfahren", wiederholt er das Fahrschulwissen – klingt doch gar nicht so schwer.
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