Solingen: Kompetenz aus Indien
VON ANNEMARIE KISTER-PREUSS - zuletzt aktualisiert: 30.07.2007Solingen (RPO). 12 indische Schwestern des Ordens „Missionary Sisters of Mary Immaculate“ leben und arbeiten an der St. Lukas Klinik. Zu ihren exotischsten Eindrücken in Deutschland gehören Schnee und Grillpartys.
Als Schwester Winnie am Frankfurter Flughafen den ersten Schnee ihres Lebens sah, glaubte sie im ersten Moment an einen Unfall in einer Wattefabrik. Heute lacht die 41-Jährige, wenn sie diese Geschichte erzählt. Überhaupt wird viel gelacht bei den 12 Frauen der Missionary Sisters of Mary Immaculate. Der Orden, gegründet in der südindischen Provinz Kerala, schickt seit 1972 Schwestern an die Ohligser St. Lukas Klink, wo sie nach der Ausbildung ihren Dienst auf den Klinik-Stationen oder im St. Lukas Pflegeheim versehen.
Alle zwei Jahre bekommen die indischen Schwestern sechs bis acht Wochen Heimaturlaub. „Dann verbringen wir zwei Wochen mit unseren Familien und den Rest der Zeit im Mutterhaus unseres Ordens“, erzählt Schwester Philo, die seit 23 Jahren im Konvent am Rande der Ohligser Heide lebt. Früher, so erinnert sie sich, durften die Schwestern nur alle fünf Jahre zurück nach Indien. Die 46-Jährige hat 1981 ihr erste Gelübde abgelegt und wurde vom heute 86-jährigen Ordensgründer nach Deutschland geschickt. Davor war die junge Frau in ihrem Heimatdorf durch ihren einfühlsamen Umgang mit Kranken aufgefallen. „Ich habe dort gerne geholfen, und die Leute waren so zufrieden, dass manche dachten, ich sei Ärztin“, erzählt Schwester Philo. Beim Ruf nach Deutschland habe sie dann einfach ja gesagt. Sechs Monate Sprachschule standen für die junge Schwester am Anfang ihres Aufenthaltes in dem so fremden Land, an dem sie vor allem die Hygiene und die Pünktlichkeit der Menschen beeindruckten. Heute, so erzählt Schwester Philo, hat sich vieles verändert. Sie habe manchmal Angst, nachdem sie bei einer Zugfahrt bestohlen wurde.
Der Orden
Der Orden der „Missionary Sisters of Mary Immaculate“ wurde am 8. September 1962 gegründet. Rund 700 Schwestern sind hauptsächlich in Indien, aber auch in Amerika, Italien und Deutschland aktiv. Das Mutterhaus des Ordens steht in der südindischen Provinz Kerala.
Seit 1972 leben und arbeiten Schwestern des Ordens an der St. Lukas Klinik in einem eigens eingerichteten Konvent, 12 sind es zur Zeit. Die meisten Schwestern arbeiten im Krankenhaus, zwei im St. Lukas Pflegeheim. Konventoberin ist Schwester Celine. Ein weiterer Konvent ist am Vinzenz-Pallotti-Krankenhaus in Bensberg.
Auch wenn das Leben außerhalb des Konvents rauer geworden ist, bei ihrer täglichen Arbeit erleben die Schwestern immer wieder so viel Positives, aus dem sie wie auch aus ihrem Glauben Kraft schöpfen. Die Ordensschwestern haben die Erfahrung gemacht, dass Patienten sich ihnen besonders gerne anvertrauen. Und da ist es für sie um so schlimmer, dass auch ihnen heute manchmal die Zeit fehlt. Und trotzdem sind die weltlichen Krankenschwestern manchmal ein wenig neidisch auf die Kolleginnen in Ordenstracht. „Ich möchte auch so eine Haube, vor euch haben die Patienten viel mehr Respekt“, schildert Schwester Philo ein Gespräch und lacht. Und wenn sie gefragt wird, wie sie es angestellt habe, dass ein Patient so folgsam ist, muss sie bei der Antwort nicht lange überlegen: „Es ist ein Geschenk Gottes.“
Über die schönen Erlebnisse am Tag sprechen die Schwestern abends gerne bei einem guten Essen, und oft wird im Konvent indisch gekocht. Die vielen asiatischen Läden machen das heute leicht, die Gewürze werden aus Indien mitgebracht, selbst geerntet im Garten des Mutterhauses. Aber auch die deutsche Küche schätzen die Schwestern. „Nur Blutwurst und Zunge mag ich gar nicht“, erzählt Schwester Stania. Sie ist die jüngste im Konvent und erst vor drei Jahren nach Ohligs gekommen. Und obwohl sie eigentlich nicht gerne Fleisch isst, hat sie eine ganz besondere Vorliebe entwickelt für etwas, was für sie so exotisch ist wie für Schwester Winnie einst der Schnee: Grillpartys.
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