Solingen: Kunst wich der Mathematik
VON SANDRA KAISER - zuletzt aktualisiert: 30.06.2007Solingen (RPO). Dass er einmal Mathematik studieren, nach nur neun Semestern für seine Diplomarbeit mit einem wichtigen Förderpreis ausgezeichnet und anschließend als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Trierer Uni arbeiten würde, hätte Dennis Sieg nie im Traum gedacht.
Mathe hatte der Solinger zwar auch als Leistungskurs, doch so sehr gefiel ihm das Unterrichtsfach an der August-Dicke-Schule gar nicht. Sein zweites Wahlfach Kunst mochte er viel lieber – und damit fuhr er auch die meisten Punkte ein. Da war es nur logisch, dass er nach dem Abitur Kunst studieren wollte. Doch die Uni Wuppertal machte Dennis einen Strich durch die Rechnung: Er bestand die Eignungsprüfung nicht. Und so wurde es nichts mit dem Lehramtsstudium in den Fächern Kunst und Geschichte. Gott sei Dank, könnte man im Nachhinein sagen. Denn sonst wäre der Mathematik-Welt ein großes Talent vorenthalten geblieben. Aber der Reihe nach. . .
„Ich habe mir überlegt, mit welcher Fächerkombination ich später am ehesten einen Job bekomme“, beschreibt Dennis seinen nächsten Schritt. Die Wahl fiel auf Mathematik und Geschichte. Zwei Semester vergingen. Doch sein Mathematik-Professor erkannte damals schon Dennis’ außergewöhnliche mathematische Fähigkeiten. Er überredete ihn, das Lehramtsstudium aufzugeben und auf Mathe-Diplom umzusteigen.
Mit diesem Tipp lag der Professor goldrichtig: Dennis entdeckte seine Liebe zur Mathematik. „In der Schule hätte ich nie gedacht, dass mir Mathe mal so viel Spaß machen würde“, erklärt der 26-jährige. Alles sei plötzlich viel interessanter geworden. Es seien die abstrakten Strukturen gewesen, die ihn besonders fesselten. Die reine Mathematik ließ ihn während des Studiums nicht mehr los. „Ich war sehr ehrgeizig“, erinnert sich Dennis. Er habe sich extra die Professoren mit den höchsten Ansprüchen ausgewählt, und nicht diejenigen, die die besseren Noten verteilten. Dennis wollte so viel wie möglich lernen und immer weiter in die Materie vordringen. Auch für seine Diplomarbeit über Henselsche Lokale Ringe suchte er sich den „härtesten“ Professor aus und forschte im Bereich Zahlentheorie und algebraische Geometrie. Dafür bekam er eine 1,3 – die schlechteste Note seines gesamten Studiums – und wurde mit dem Barmenia-Förderpreis für besondere Studienleistungen ausgezeichnet.
Seit kurzen lebt Dennis Sieg in Trier. Noch während seines Studiums hatte ihm die Uni eine Stelle als wissenschaftlicher Mitarbeiter angeboten. Dennis fühlt sich sehr wohl in der alten Römerstadt und schreibt nun an seiner Doktorarbeit im Bereich Funktionalanalysis. Und was ist aus der Kunst geworden? „Die habe ich völlig aus den Augen verloren“, erzählt der 26-Jährige. Die Zeit gehe jetzt für die Mathematik drauf.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum



