Solingen: Kunstmuseum in Schieflage
VON ANDREA RÖHRIG - zuletzt aktualisiert: 13.11.2010Solingen (RPO). Die aktuelle Goya-Ausstellung im Gräfrather Kunstmuseum entwickelt sich zum finanziellen Desaster für das Haus. Bislang kamen gerade mal rund 1200 Besucher. Folge: Das Kunstmuseum hat Probleme, die Gehälter zu zahlen.
Es sollte ein Publikumsmagnet werden und erweist sich mehr und mehr als Flop: Die Goya-Ausstellung "Die Unsterblichkeit der Sterne", die das Kunstmuseum an der Wuppertaler Straße seit dem 2. Oktober zeigt und die dort noch bis 2. Dezember zu sehen sein wird. Doch statt der bei den Kosten einkalkulierten 5000 Besucher sind es bisher gerademal 1200, die dafür zahlten, die "Kunst-Sensation in Gräfrath", wie Museumschef Dr. Rolf Jessewitsch – bislang vergeblich – die Werbetrommel rührt, sehen zu wollen.
Am Montag soll Zahltag sein
Natürlich trifft Kunst nicht immer den Geschmack der Masse, das kann schon mal passieren. Pech nur, dass das Defizit der Ausstellung gleich auch noch das ganze Museum in finanzielle Schieflage bringt. So bestätigte Jessewitsch gestern auf Anfrage unserer Zeitung, dass er die November-Gehälter seiner Mitarbeiter noch nicht habe zahlen können. Montag soll das nachgeholt werden, sicherte er zu. Auch die Pachtzahlungen an die Stadt in Höhe von 162 000 Euro fließen nach Informationen unserer Zeitung äußerst unregelmäßig.
Auf Rückendeckung aus dem Rathaus kann Jessewitsch nicht hoffen. "Die Einhaltung der Ausstellung- und Wirtschaftsplanung ist Aufgabe der Geschäftsführung. Ihr ist aufgezeigt worden, wie sie kurzfristig Erlöse generieren kann", zeigt sich Oberbürgermeister Norbert Feith alles andere als amüsiert über das Gebaren des Museumschefs. Da allerdings nicht die Beschäftigten darunter leiden sollen, bekräftigt er, dass "für die Stadt gilt: Die Mitarbeiter werden nicht im Regen stehen gelassen."
Dort würde jedoch so mancher gerne Jessewitsch stehen sehen. Nicht von ungefähr sollte ihm in der Ratssitzung Mitte Juli ein Aufpasser – vor allem für das Kaufmännische – an die Seite gestellt werden, damit sich Jessewitsch endlich auf seine eigentliche Aufgabe konzentrieren kann. Denn er kuratiert kaum eine Ausstellung selbst, sondern kauft sie ein. Anders etwa als der Leverkusener Museumschef Dr. Markus Heinzelmann, der es sich – wie es heißt – nicht nehmen lässt, die wichtigsten Ausstellungen selber zu kuratieren.
Doch der Solinger Stadtrat verschob dies Personalie Jessewitsch und muss nun das urplötzlich aufgetauchte Defizit von rund 50 000 Euro zur Kenntnis nehmen. Womit das Loch gestopft werden soll? Zum einen mit dem Erlös aus der Veranstaltung mit dem Autor Richard David Precht – obwohl das Geld nicht ausschließlich dafür gedacht war. Zum anderen über eine Finanzspritze aus dem Stiftungsvermögen der Bürgerstiftung. Städtische Gelder werden nicht fließen, hieß es dazu gestern aus dem Rathaus. Dürften auch gar nicht. Denn letztlich ist der vor der Pleite stehenden Stadt das Finanzieren von freiwilligen Leistungen von der Bezirksregierung untersagt.
Dr. Rolf Jessewitsch versucht die finanzielle Schieflage auf die Stadt zu schieben. Sowohl im Januar als auch im August habe er auf die Geldknappheit hingewiesen, erklärte er im Gespräch mit unserer Zeitung. Aus seiner Sicht fehlt das Stiftungsgeld des Landschaftsverbandes (LVR), das für dieses Jahr ausbleibt. Das weist die Stadt zurück. Diese 250 000 Euro würden nämlich gar nicht in das Kunstmuseum fließen. Der LVR ist ja ausschließlich an der Gründung eines Zentrums für verfolgte Künste interessiert. Wie lange noch, ist aber völlig unklar. Sicher scheint, dass der LVR Jessewitsch nicht in das Zentrum der verfolgten Künste übernehmen will.
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