Solingen: Lagerschaden an der Brücke
VON GÜNTER TEWES - zuletzt aktualisiert: 05.11.2009Solingen (RPO). Bis auf weiteres bleibt die Müngstener Brücke für Güterzüge, die mehr als 100 Tonnen wiegen, gesperrt. Ursache: An den Brückenlagern sind Schäden festgestellt worden.
Bei der Frage, ob und wann wieder Güterzüge über die Müngstener Brücke rollen dürfen, sind jetzt die Statiker gefragt. Dazu werde von der Deutschen Bahn nun ein Gutachten in Auftrag gegeben, berichtet ein Sprecher des Transportunternehmens unserer Zeitung.
"Denn bei der Beweglichkeit der Brückenlager sind Einschränkungen festgestellt worden", erklärt der Bahnsprecher das Schadensbild an der höchsten Eisenbahnbrücke Deutschlands. Wegen dieses Instandhaltungsmangels hatte das Eisenbahn-Bundesamt angeordnet, dass Züge, die mehr als 100 Tonnen wiegen, die Brücke nicht mehr passieren dürfen (wir berichteten).
Der "Müngstener" ist davon nicht betroffen. Die Einschränkungen im Güterverkehr auf der Müngstener Brücke selbst gelten nach den Worten des Bahnsprechers bis auf weiteres – solange jedenfalls, bis die statische Berechnung vorliege.
Müngstener
In diesen Herbsttagen hat die Regionalbahn 47 wieder mit Wetter-Widrigkeiten zu kämpfen. "Laub, Nieselregen und Schadstoffe in der Luft bilden einen Schmierfilm auf den Schienen der bergischen Steigungsstrecke", erläutert der Bahnsprecher den Grund von Verspätungen beziehungsweise Zugausfällen des "Müngsteners".
In den nächsten drei, bis vier Wochen müsse man noch damit rechnen. "Anfang Dezember haben wir es dann wohl überstanden." Reisenden empfiehlt er, sensibel gegenüber der Witterung zu sein und gegebenenfalls einen Zug früher zu nehmen.
Der Schaden an den Lagern ist bei den laufenden Instandsetzungsarbeiten an der Müngstener Brücke festgestellt worden. Während dieser Arbeiten seien Auflagen saniert sowie Bauteile verstärkt worden, heißt es.
Wie schlecht ist der Unterhaltungszustand der Brücke wirklich? Muss man sich Sorgen um die Standsicherheit machen? Befürchtungen wie diese wischte der Bahnsprecher allerdings vom Tisch: "Wir fahren doch weiterhin mit der gebotenen Vorsicht über die Brücke. Sollte es eine Gefahr geben, sind wir die ersten, die im Einklang mit dem Eisenbahn-Bundesamt darauf reagieren."
Fast eine Million Nieten halten knapp 5000 Tonnen Stahl des imposanten Bauwerks zusammen. Fährt ein Zug über die 107 Meter hohe und rund 500 Meter lange Brücke, werden die Kräfte wie bei einem Skelett abgeleitet – und dies offenbar auch über die beweglichen Lager.
"Die Brücke befindet sich in einem jämmerlichen Zustand." Aufmerksame und ebenso besorgte Spaziergänger im Müngstener Brückenpark hatten dies bereits Anfang des vergangenen Jahres wegen der großflächigen Rostschäden angemahnt. "Das ist doch ein Indikator für den Pflegezustand der Brücke", meint Spaziergänger Dieter Dinger im Gespräch mit unserer Zeitung.
Regelmäßige Inspektionen
Die Brücke stürze nicht ein. "Sie wird regelmäßig inspiziert", hatte die Bahn daraufhin auf Anfrage berichtet und den Rost an der Brücke als eine "kosmetische" Erscheinung bezeichnet: "Er beeinträchtigt die Standfestigkeit der Brücke nicht." Zwei Arten von Inspektionen unterscheidet die Bahn in Müngsten: Die Brückenuntersuchung alle sechs Jahre und die Brückenbegutachtung, die ebenfalls alle sechs Jahre durchgeführt wird. "Bei der großen Inspektion wird alles auf Herz und Nieren untersucht", so die Bahn.
Der hohe Zeitaufwand bei der Inspektion mache es allerdings erforderlich, dass Bauwerk in drei Prüfungsabschnitte zu unterteilen: Jeweils um zwei Jahre versetzt würden Brückenbogen ebenso wie Fahrbahn und Gerüst sowie die Brückenstützen unter die Lupe genommen.
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