Solingen: Leere Kasse – Stadt verkauft ihr Grün
VON GÜNTER TEWES - zuletzt aktualisiert: 16.09.2009Solingen (RPO). Erst hat die hoch verschuldete Stadt ihren Bürgern die Straßenbeleuchtung ausgeschaltet, weil sie die Stromkosten nicht mehr zahlen kann; jetzt droht ein ebenso drastischer Schritt bei den Grünflächen. Weil Rasenmähen und weitere Pflegearbeiten nicht mehr zu bezahlen sind, sollen insgesamt bis zu rund 80 000 Quadratmeter verkauft beziehungsweise zu Wald, Wegen oder Brachflächen werden. Das ist immerhin ein Zwölftel der 72 städtischen Grünbereiche mit zusammen 952 000 Quadratmetern Fläche. Kommunale Friedhöfe und Biotope sind hierin nicht eingerechnet. Die Grünanlage an der Wupperstraße (parallel zur Straße Am Kannenhof) mit über 27 000 Quadratmeter steht auf der Liste mit dem Vermerk "teilweise verzichtbare" beziehungsweise "verzichtbare Anlagen". Es ist die größte Fläche unter den 45 Positionen; die kleinste sind 100 Quadratmeter an der Garnisonsstraße in Gräfrath, die verkauft werden soll.
Grünflächen an Katternberger Straße (5440 Quadratmeter) sowie Talsperrenstraße (5360 Quadratmeter) sollen ebenfalls veräußert werden, ebenso einige 1000 Quadratmeter am Altenheim an der Melanchthonstraße. Auf der Verkaufsliste stehen auch Grünflächen an Schwertstraße und Hofgarten in Burg.
330 000 Euro bei der städtischen Grünflächenpflege sollen dadurch jährlich eingespart werden. Dies schreibt das Haushaltssicherungskonzept vor. Die Einsparvorgabe könnte allein durch eine Verringerung des Pflegestandards auf den gesamten Grünflächen "auch nicht annähernd" erreicht werden, erklärt der Erste Beigeordnete Hartmut Hoferichter in der Vorlage. Deshalb führt laut Verwaltung am Verkauf beziehungsweise am Herausnehmen von Grünflächen aus dem städtischen Pflegeprogramm kein Weg vorbei, "um die dann verbliebenen Flächen in einem ordentlichen Pflegezustand zu halten".
Eines soll allerdings nicht passieren: An der Müllentsorgung und an der Reinigung könne nicht gespart werden, so der Tenor der Verwaltung. Denn bei neun von zehn Bürgerbeschwerden wird über Grillabfälle, Unfallgefahr durch Glasscherben, Hundekot, zu wenige beziehungsweise zu kleine Papierkörbe oder beispielsweise deren zu seltene Leerung geklagt.
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