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Solingen: Leere Züge über die Brücke

VON SUSANNE GENATH - zuletzt aktualisiert: 30.04.2011

Solingen (RPO). Die Bahn hat ihren statischen Berechnungen ein falsches Gewicht zugrunde gelegt. Bis die korrigierte Genehmigung kommt, können Reisende nun doch nicht ab Montag wieder mit dem "Müngstener" über die Brücke fahren.

Ab Montag werden die Regionalbahnen der Linie RB 47 wieder über die Müngstener Brücke fahren. Allerdings ohne Passagiere. Deren Gewicht hat die Bahn bei ihren Berechnungen zur Standsicherheit des Bauwerks schlichtweg vergessen.  Foto: RPO
Ab Montag werden die Regionalbahnen der Linie RB 47 wieder über die Müngstener Brücke fahren. Allerdings ohne Passagiere. Deren Gewicht hat die Bahn bei ihren Berechnungen zur Standsicherheit des Bauwerks schlichtweg vergessen. Foto: RPO

Noch am Dienstag hatte die Bahn erklärt, dass bei den Berechnungen zur Müngstener Brücke alles seine Richtigkeit habe. Zweifler, die darauf hinwiesen, dass bei den Zahlenspielen möglicherweise das Gewicht der Passagiere vergessen worden sei und die Züge eher 80 Tonnen und nicht nur die erlaubten 72 Tonnen wiegen, watschte sie als inkompetent ab.

Am Donnerstag wollte sich das Schienenverkehrsunternehmen zum Gewicht des "Müngsteners" schon nicht mehr äußern, und gestern musste Bahnsprecher Udo Kampschulte dann zerknirscht zugeben: "Wir haben einen Fehler gemacht."

Man habe beim Eisenbahn-Bundesamt aus Versehen beantragt, nur mit leeren Zügen über die Brücke fahren zu dürfen. Daher müsse der Schienenersatzverkehr zwischen Solingen-Mitte und Remscheid-Güldenwerth bis zu einer korrigierten Genehmigung vorerst bleiben und könne nicht, wie geplant, am Sonntag enden. "Die Züge fahren so lange leer über die Brücke, damit wir zumindest wieder nach Fahrplan fahren können und keine Zeit durchs Wenden verloren geht", erklärte Kampschulte.

Info

Begegnungsverkehr

Auch wenn das Eisenbahn-Bundesamt die Müngstener Brücke nur für Züge mit einem Maximalgewicht von 72 Tonnen freigegeben hat, dürfen dennoch zwei Züge gleichzeitig das Bauwerk überqueren.

"Allerdings mit der Auflage, dass die Züge nicht schneller als 70 Stundenkilometer fahren", sagt Sprecher Moritz Huckebrink. Die Last für die Brücke verdoppele sich durch den Begegnungsverkehr nicht. "Die statischen Kräfte wirken hierbei anders."

Bereits am Donnerstag habe man mit den erforderlichen Nachberechnungen begonnen. "Wir arbeiten mit Hochdruck daran, um sie dem Eisenbahn-Bundesamt so schnell wie möglich vorlegen zu können und dann eine neue Genehmigung zu erhalten."

Eine einzige falsche Angabe habe zu dem jetzigen Desaster geführt. Irgendjemand habe bei den Zügen irgendwo einmal 72 Tonnen als Gesamtgewicht und nicht als Leergewicht angegeben. "Und dieser Fehler ist immer weiter übernommen worden", berichtete der Bahnsprecher. Mit gravierenden Folgen, die nun völlig unbefriedigend seien.

"Wir gehen in Sack und Asche und müssen uns bei den Passagieren entschuldigen", sagte Kampschulte. Solingens Planungsdezernent Hartmut Hoferichter kann jedoch nur den Kopf schütteln. "Ich habe kein Verständnis dafür, dass man bei einer so bedeutenden Sache mit einem falschen Gewicht rechnet", erklärte er im Gespräch mit unserer Zeitung.

Auch Bahnfahrer Harald Bramstedt ist wütend. "Da hat es Monate gedauert, bis die Bahn wieder die Freigabe für die Brücke bekommen hat, und jetzt das!", ärgert sich der Pendler, der regelmäßig von Remscheid nach Solingen fährt. Er könne das ganze Hin und Her in keinster Weise nachvollziehen, sagt Bramstedt. Seit rund 15 Jahren sei er Bahnkunde. "Jetzt überlege ich, mein Ticket zurückzugeben und wieder mit dem Auto zur Arbeit zu fahren."

Frank Schmidt, NRW-Bezirksvorsitzender der Gewerkschaft Deutscher Lokführer (GDL), muss über den Patzer dagegen fast ein wenig schmunzeln. "So etwas habe ich in 24 Jahren Tätigkeit als Lokführer noch nicht erlebt", sagt er. "Aber es ist natürlich sehr peinlich für die Bahn." Die jetzige Reaktion der Bahn hält er für die einzig richtige. "Wenn man die Gewichte verwechselt hat, darf man nicht einfach über die Brücke fahren, sondern muss genau nachrechnen, damit niemand gefährdet wird."

Quelle: RP

 
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