Solingen: Linke vielleicht, Jamaika nein
VON MARTIN OBERPRILLER - zuletzt aktualisiert: 02.01.2010Solingen (RPO). Im Mai will Sylvia Löhrmann, grüne Fraktionsvorsitzende im NRW-Landtag, die schwarz-gelbe Regierung ablösen. Eine neue Umwelt-, Bildungs- und Verkehrspolitik soll her, fordert die Solingerin. Aber für einen Wechsel brauchen die Grünen Partner.
Seit 1995 im Landtag
Sylvia Löhrmann wurde in Essen geboren und studierte nach dem Abitur in Bochum auf Lehramt. Nach dem Referendariat kam sie Mitte der 80er-Jahre nach Solingen.
Hier engagierte sie sich für die Grünen in der Kommunalpolitik, ehe 1995 der Einzug in den Landtag gelang.
Der Fraktion steht die Lehrerin, die sich auch für die Integration von Jungendlichen mit Migrationshintergrund stark machte, seit dem Jahr 2000 vor.
Neulich ist Sylvia Löhrmann, die grüne Fraktionsvorsitzende im NRW-Landtag, während ihres Allgäu-Urlaubs auf einen der vielen Berge hier im Süden der Republik gestiegen. 1500 Meter über dem Meeresspiegel: Der Weg nach oben ist ganz schön beschwerlich, aber dafür werden einem die Strapazen des Aufstiegs danach auch mit dem atemberaubenden Panorama einer der malerischsten Ferienregionen Deutschlands gedankt. Jedenfalls, als die Solingerin Löhrmann schließlich den Gipfel erreicht hatte, da dürfte sie für einen Moment noch an eine andere Wegstrecke gedacht haben, die auf sie und ihre Partei in den kommenden Monaten wartet. Im Mai wählt Nordrhein-Westfalen einen neuen Landtag, die 52-Jährige wird die Grünen zum ersten Mal als Spitzenkandidatin in den Wahlkampf führen – und nach fünf Jahren in der politischen Ebene der Opposition will die Partei die Höhen der Regierungsverantwortung in Düsseldorf erklimmen.
Bekenntnis zu Gräfrather Windrad
"Unser Ziel ist es, ein zweistelliges Ergebnis einzufahren und unsere Position als dritte Kraft vor der FDP auszubauen", erklärt Sylvia Löhrmann, die seit 1995 im Parlament sitzt und darum weiß, dass es einen Wechsel nur geben kann, wenn es den Grünen gelingt, ihre ureigenen politischen Themen an den Mann und an die Frau zu bringen. Eine grüner "New Deal", der Klima-, Energie- und Wirtschaftspolitik verbindet. Bessere Qualität, mehr Personal und weniger Elternbeiträge in Kindertagesstätten, Gemeinschaftsschule, aber auch ein vom Land aufgelegter Entschuldungsfonds für Pleite-Städte wie Solingen: Die Liste ist lang, mit der man beim Wähler punkten will.
Und mit der man einigen auch einiges zumutet. Gerade in Sylvia Löhrmanns Wahlheimat Solingen, in die die gelernte Lehrerin 1984 kam. Das Windrad in Gräfrath? Die gebürtige Essenerin ist dafür und findet die damit verbundenen Unbequemlichkeiten für die Anwohner zumutbar: "Es ist auf jeden Fall besser, als neben einem Steinkohle- oder Atomkraftwerk zu leben." Löhrmann verweist in diesem Zusammenhang auf den einstimmigen Ratsbeschluss zur Ausweisung der Fläche.
Denn aus diesen Technologien wollen die Grünen bekanntermaßen aussteigen, wie sie auch den umstrittenen Anschluss zur A3 via Autobahnkreuz Langenfeld ablehnen. Dafür kann sich Sylvia Löhrmann aber vorstellen, dass an Autobahnen in NRW noch zusätzliche Windkraftanlagen entstehen. Gleichwohl, all die Pläne sind nur dann realistisch, wenn es im Mai mit dem Wechsel klappt. Und da es wohl genauso realistisch ist, anzunehmen, dass die Grünen dazu allein nicht in der Lage sind, stellt sich die Frage nach der Partnerwahl. "Unser Wunschpartner ist die SPD", erklärt die Fraktionschefin, die natürlich um die augenblickliche Schwäche der Sozialdemokraten weiß und darum auch eine andere Machtoption nicht ausschließen will. Zwar werden sich die Grünen in dieser Frage erst im Februar festlegen, doch gegenüber unserer Zeitung sprach sich Löhrmann dafür aus, der Linkspartei "nicht die Tür vor der Nase zuzuschlagen".
"Kein Tolerierungsmodell"
Zwar müssten die Linken ihrerseits entscheiden, ob sie überhaupt Verantwortung übernehmen wollten. "Ein Tolerierungs-Modell wird es mit uns definitiv nicht geben. Doch von einer frühzeitigen formalen Ausschließeritis halte ich ebenfalls nichts", fuhr Löhrmann fort, die sich allerdings ihrerseits eine Jamaika-Koalition nicht vorstellen kann. Wir wollen diese Regierung ablösen, stellt Sylvia Löhrmann klar. Und auch Schwarz-Grün sieht sie ausgesprochen skeptisch. "Die CDU ist weiter für das dreigliedrige Schulsystem und den Zubau von Kohlekraftwerken und ist so kein Partner für uns", erklärte die Pädagogin, die elf Jahre an der Gesamtschule Solingen unterrichtete, ehe sie ihren landespolitischen Aufstieg begann.
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