Solingen: Medizin vom Discounter
VON MARTIN OBERPRILLER - zuletzt aktualisiert: 17.04.2008Solingen (RPO). Auf den ersten Blick macht nur der Einkaufswagen den Unterschied. Der verzichtet nämlich darauf, zur Begrüßung der Kunden zunächst einmal deren Kleingeld zu fressen – und hebt sich so von seinen Kollegen ab, die im Selbstbedienungs-Warenhaus einige Meter weiter ihren Dienst verrichten.
Doch ansonsten könnte man fast glauben, in einem Supermarkt zu stehen. Und das klingt für Jürgen Flocke zurzeit so süß, wie die seichte Hintergrundsmusik in den Gehörgängen der Kundschaft im Warenhaus nebenan. Der Countdown läuft. In einer Woche eröffnet auf der Düsseldorfer Straße in Ohligs Solingens erste Discount-Apotheke. „Wir sind fast fertig“, berichtet Inhaber Flocke, der bereits normale Apotheken in Mettmann sowie in der Solinger City hat und 500 000 Euro in das neue Ladenlokal mit dem hübschen Namen „Mac Pill“ steckte.
Abführmittel neben Zapfsäule
Ob der Discounter aber für alle schön wird – darüber gehen die Meinungen auseinander. Denn während Flocke mit seiner Filialleiterin Samira Bahari die Regale bestückt, macht sich Christian Veithen so seine Gedanken, über einen Markt, der bisweilen seltsame Blüten treibt.
In Sachsen wird im Moment gegen einen Tankstellenbesitzer ermittelt, der apothekenpflichtige Medikamente wie Abführmittel gleich neben der Zapfsäule verkaufte. Das steht in Solingen natürlich nicht an, aber der Chef des Apothekerverbandes Veithen, der seinen pharmazeutischen Handel an der Grünewalder Straße betreibt, befürchtet, dass in Ohligs schon bald ein Verdrängungswettbewerb einsetzt. „Es entzieht sich meiner Kenntnis, wie sonst die Kalkulation aufgeht“, erklärt Veithen, der weiter auf sein bewährtes Konzept setzt: „Beratung ist wichtig. Wir verkaufen keine Brötchen.“
Auch Jürgen Flocke betont, dass Beratung groß geschreiben wird. Tatsächlich können im neuen Discounter nicht alle Medikamente preiswerter über die Theke gehen. „Niedrigere Preise sind nur bei nicht verschreibungspflichtigen Waren möglich“, schränkt Flocke ein. Apothekenpflichtige Mittel fallen jedoch nicht unter diese Regel. Und mit dieser Medizin will der Apotheker sein Geschäft machen. Immerhin kaufe man mehr ein und könne so bessere Preise erzielen.
Die Schachtel Paracetamol gibt’s so für 99 Cent. Immerhin eine Ersparnis von 1,21 Euro gegenüber dem Preis anderer Apotheken – und in den Augen von Jürgen Flocke ein so gutes Argument, dass er sogar schon mal Angst vor sich selbst bekam. Die Standortwahl für den Discounter fiel unter anderem auf Ohligs, „weil ich meiner Apotheke in den Clemens-Galerien keine Konkurrenz machen wollte“, erzählt Flocke.
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