Solingen: Mehr Abiturienten sollen studieren
zuletzt aktualisiert: 26.10.2010Solingen (RPO). Bücher fehlen, Unterricht fällt aus, zudem ist ein "eklatanter Lehrermangel" an Gymnasien zu beobachten: Elternvertreter wiesen gestern Abend im Schulzentrum Vogelsang auf erhebliche Mängel hin und fragten: "Wie sollen Jugendliche unter diesen Voraussetzungen in acht Jahren überhaupt das Abitur schaffen?"
Antworten auf diese und andere Fragen gabs bei der Podiumsdiskussion "Doppelter Abiturjahrgang 2012/13 – Ist NRW gewappnet?", zu der die Stadtschulpflegschaft zusammen mit der Landeselternkonferenz eingeladen hatte. Prominenter Gast auf dem Podium war Schulministerin Sylvia Löhrmann (Grüne). Und sie weiß: "Das System Schule zu ändern, das ist langwierig – und anstrengend."
Im Sommer 2013 verlassen neben den Abiturienten von Gesamtschulen und Berufskollegs zwei komplette Jahrgänge die Gymnasien (G 8 und G 9). 179 000 Studienberechtigte, gut 55 000 mehr als 2012, werden 2013 mit Abitur die Schulen verlassen. Gerechnet wird mit rund 111 000 Studienanfängern. Im Ausbau der Hochschulkapazitäten sieht Löhrmann mit Verweis auf zwei geplante Hochschulpakte der Landesregierung im Volumen von zusammen von rund 2,2 Milliarden Euro nicht das Problem. "Wir sollten junge Leute motivieren zu studieren, zudem eine systematische Berufsvorbereitung in den Schulen fördern", sagte Löhrmann.
Neben Löhrmann beteiligten sich noch Norbert Wichmann (DGB), Roland Berger (Stiftung Partner für Schule NRW), Eberhard Kwiatkowski (Landeselternkonferenz) und Erster Beigeordneter Hartmut Hoferichter an der Podiumsdiskussion. Bildungsjournalist Eberhard Himmelrath zog auch immer wieder die Besucher der Veranstaltung mit ein. Norbert Wichmann hofft, dass die neue Landesregierung bis 2013 massiv in Bildung investieren wird. Das sei unerlässlich. Nicht nur in Hochschulen, sondern auch in das duale System.
Seine Befürchtung: Abiturienten nehmen Real- oder Hauptschülern Ausbildungsplätze weg. "Deshalb müssen wir auch etwas für Kellerkinder tun", forderte Wichmann. Dass Schüler heutzutage mangels Alternative unnötige Warteschleifen in Form von weiteren Schulbesuchen drehen, ist für Löhrmann ein Ärgernis. "Das ist nicht effektiv und kostet zusätzlich Geld", ergänzte Wichmann. Wichtig sei, die jungen Leute frühzeitig gezielt bei der Berufsförderung zu begleiten, damit sie erst gar nicht in Warteschleifen geraten. Zusätzliche Lehrerstellen, wie von Eltern gefordert, werden geschaffen, versicherte Löhrmann. Doch die Ministerin befürchtet: "Wir werden nicht alle Stellen besetzt bekommen."
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