Solingen: Messerstich im Bus auf Video dokumentiert
VON ANNEMARIE KISTER-PREUSS - zuletzt aktualisiert: 02.09.2010Solingen (RPO). Selten wäre leugnen so zwecklos gewesen, wie in dem Fall, der gestern vor dem Jugendschöffengericht verhandelt wurde. War doch der Messerstich, den ein 21-Jähriger einem 16-Jährigen am Abend des 9. März in einem Stadtwerke-Bus verpasste, von der Überwachungskamera exakt dokumentiert worden.
Nicht nur die Tat war so zweifelsfrei nachweisbar, auch das Opfer musste seine ursprüngliche Aussage vom Tathergang korrigieren, nachdem es mit dem Inhalt des Videos konfrontiert wurde. Drei Jahre und neun Monate Jugendstrafe bekam der Angeklagte, der seit der Tat in Untersuchungshaft sitzt. Er hat aber die Chance, dass er irgendwann die Haft mit einem Therapieplatz zum Drogenentzug eintauschen kann. In das Urteil eingeflossen war eine weitere, ebenfalls von brutaler Gewalt geprägte Straftat, bei der der Angeklagte seinem Kontrahenten den Kiefer mit einem Schlag dreimal brach.
Opfer waren nicht ganz unbeteiligt
Dass der drogenabhängige Angeklagte ein hohes Aggressionspotenzial in sich birgt, hatte man auch in der Untersuchungshaft erkannt und eine Fußfessel während der Verhandlung empfohlen, worauf das Gericht jedoch verzichtete. Dennoch, seine aggressive Grundhaltung bestätigte der ehemalige Notschlafstellen-Bewohner und in zwei Berufsausbildungen Gescheiterte auch gestern vor Gericht. "Wenn man jemanden nicht mit einem Schlag außer Gefecht setzen kann, sollte man lieber rennen", begründete er seinen gezielten Schlag ins Gesicht eines Jugendlichen.
Nachts waren die beiden Kontrahenten am Graf-Wilhelm-Platz aufeinandergetroffen. Wie auch bei der Tat im Bus der Linie 682 war das Opfer nicht ganz unbeteiligt an der Auseinandersetzung, war schon vorher mit dem Angeklagten aneinandergeraten. In beiden Fällen will sich der Angeklagte von seinen späteren Opfern "massiv provoziert" gefühlt haben. Auf dem Überwachungsvideo aus dem Bus ist denn auch zu sehen, dass sich der 16-Jährige gezielt neben den Angeklagten setzte und sich außerdem drei seiner Freunde um den 21-Jährigen herum gruppierten.
Von dem Messerstich selbst, der den 16-jährigen Friseur in der Brust im Bereich von Lunge und Herz traf, haben die übrigen Fahrgäste nichts bemerkt. Der Angeklagte war auch nach der Tat, als sich sein Opfer mit den Freunden in Richtung Busfahrer begab, ruhig sitzengeblieben, um den Bus dann über einen Notausstieg zu verlassen. Der Busfahrer hatte nämlich inzwischen die Türen verriegelt. Auch während seiner Flucht handelte der Angeklagte überaus besonnen und warf das Messer in den Container einer Stahlwarenfirma. Da habe er ganz sicher sein können, dass es am nächsten Tag eingeschmolzen werde, sagte er vor Gericht.
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