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Solingen: Misstrauen im Spiel

VON MARTIN OBERPRILLER - zuletzt aktualisiert: 19.07.2008

Solingen (RPO). Bei Britannia hat sich die zweite Fußball-Mannschaft als SV Ditib selbstständig gemacht. Eine Geschichte über die Jagd nach Bällen und Anerkennung – und über andere Teams, die schon bald in den Startlöchern stehen könnten.

Auf dem Britannia-Sportplatz drehten beim Training am Donnerstag erste wenige Kicker des SV Ditib Solingen ihre Runden. Ertugrul Bacak, 2. Vorsitzender, ist zuversichtlich, dass es zum Saisonauftakt genügend Spieler sind.   Foto: RPO
Auf dem Britannia-Sportplatz drehten beim Training am Donnerstag erste wenige Kicker des SV Ditib Solingen ihre Runden. Ertugrul Bacak, 2. Vorsitzender, ist zuversichtlich, dass es zum Saisonauftakt genügend Spieler sind. Foto: RPO

Den fünf jungen Männern rinnt trotz eher mäßiger Temperaturen an diesem Abend der Schweiß nur so über die Stirn. Aber das Quintett dreht dennoch weiter seine Runden auf dem Britannia-Platz. Ertugrul Bacak ist jedenfalls zufrieden mit dem Trainingsstand seiner Mannschaft, die noch nicht komplett ist. „Wir stehen am Anfang, und einige Spieler sind noch im Urlaub“, erklärt der 2. Vorsitzende des SV Ditib Solingen, der in diesen Tagen mit dem Training begonnen hat und mit seinem ersten Team schon nächstes Jahr aus der Kreisliga C in die B-Klasse aufsteigen will.

Freiwilliger Abstieg

Eine Mühe, die sich die Kicker hätten sparen können. Denn zuletzt landeten sie in der B-Liga noch im Mittelfeld – allerdings nicht unter dem Namen Ditib, sondern als FC Britannia II. Aber was heißt hier Britannia? „In Wirklichkeit waren wir immer  nur die Türken’“, erinnert sich Bacak. Vorbei – jetzt haben sich die türkischstämmigen „Briten“ selbstständig gemacht und jagen für ihren neuen SV Ditib hinter der Kugel her.

Doch was für „Türken eine wichtige Sache ist“(Bacak), wirkt in den Augen manch anderer wie ein böses Foul. „Das soll Integration sein?“, fragt Willi Schmidt, Britannia-Geschäftsführer, – um die Antwort sofort nachzuschieben: „Jahrelang haben wir die Jugendarbeit besorgt, und jetzt das!“ Insgesamt drei Vereine gehen in der kommenden Spielzeit 2008/09 in Solingen neu an den Start. Neben Ditib haben auch der 1. FC Wald sowie die SG Ajjildiz gemeldet, letztere wird auf dem Sportplatz Brabant trainieren. Gar nicht gern sieht man beim Fußball-Kreisverband diese Entwicklung. „Ich verfolge das sehr kritisch“, erklärt Vorsitzender Georg Schubert. Allerdings: Schubert kann nichts tun, denn der Fußball-Verband Niederrhein hat die Trauben nicht sehr hoch gehängt: Ein neuer Klub muss nur eine Spielstätte nachweisen. Das Problem bei all dem: Seit längerem schotten sich Gruppen so ab. Dabei wird aber im Fall Britannia/Ditib nun lediglich ein Graben geflutet, der schon ausgehoben war. Vor Jahren traten Mitglieder der muslimischen Ditib-Gemeinde Kasernenstraße an die Britannia- Oberen mit der Bitte heran, unter dem Dach des Vereins ein Team bilden zu dürfen. Sie durften, allein: Zusammengehörigkeitsgefühl bildete sich dem Vernehmen nur wenig. Zuletzt stellte Ditib zwei Mannschaften – und Bacak muss sich schon anstrengen, die Nicht-Türken unter den Kickern aufzuzählen: „Ein Deutscher, ein Portugiese . . .“

Und wohl vor allem Misstrauen spielte jahrelang mit. „Viele von uns wollten im zweiten Team bleiben – auch wenn sie das Zeug für die Erste hatten“, berichtet Bacak, der für SV Ditib seinerseits reklamiert, dieser nutze der Integration: „Denn wenn jemand frisch aus der Türkei kommt, geht er wegen der Sprache kaum in einen deutschen Klub.“

Das kann Ibrahim Erdogan bestätigen. Der Ditib-Spieler macht gerade Pause. „Wir wollen nicht ausgrenzen“, gibt der Sportlehrer, der vor vier Jahren aus der Türkei kam, in gutem Deutsch zu Protokoll. „Unser Ziel ist eine Jugendabteilung“, ergänzt Ertugrul Bacak, der sich auf Dauer sogar ein Mädchen-Team vorstellen kann. Bevor es weitergeht, schweift der Blick der beiden kurz zum Nachbarplatz. Dort bolzen Jungs, die nach eigenem Bekunden die Farben des FC Milli Görüs tragen und in einer Hobby-Liga kicken. Die Sorgen von Georg Schubert vom Kreisverband dürften ungleich größer werden, sollte irgendwann auch ein Team dieser vom Verfassungsschutz beobachteten Gruppe am regulären Spielbetrieb teilnehmen wollen.

Quelle: RP

 
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