Solingen: Mit Kanten und Ecken
zuletzt aktualisiert: 26.01.2007Solingen (RPO). Eine CD für Herz, Hirn und Magengrube hat die Solinger Band „Lockjaw“ eingespielt. Die neuen Songs stellt das Quintett heute in einem Konzert in der Merscheider „Cobra“ vor.
Heute feiert die Solinger Band „Lockjaw“ mit einem Konzert in der Merscheider „Cobra“ die Veröffentlichung ihrer dritten CD. Auch darauf überzeugt das Quintett erneut mit einer großartigen Mischung aus Emo-, Indie- und Posthardcore-Elementen. Mit bei dem Konzert dabei sind gute Freunde der Musiker, die Bands „Floozies“, „Sodapop Diaries“ und „Ideoblast“. Aus Anlass von Konzert und CD („Lockjaw“) sprach Michael Tesch mit Sänger Tobias Clauberg.
Ich möchte einige Stichworte nennen. Das erste ist Solingen.
Clauberg Da fallen mir spontan der Cow-Club, Rock-City-No.1 und meine Heimatstadt ein.
Positive Kritiken
Zweieinhalb Jahre ist es her, dass mit „Arrive & Escape“ ein furioses wie verspieltes zweites Album der Post-Hardcore-Indie-Rocker „Lockjaw“ erschien.
Die drängende Intensität und detailverliebte Spielfreude der Platte provozierte damals durch die Bank positive Kritiken in der Musikpresse.
Ein weiteres Stichwort ist Fernbeziehung. Einige Mitglieder der Band leben ja in anderen Städten.
Clauberg Deshalb versuchen wir die Wege kurz zu halten. Reden miteinander geht ja dank Internet sehr gut und schnell. Proben zu vereinbaren ist allerdings bei uns mit einigem Aufwand verbunden. Meist proben wir am Wochenende in unserem Studio in Aufderhöhe, wo auch die neue CD eingespielt wurde.
In jeder Kritik zu eurer Musik fällt mindestens einmal das Wort Leidenschaft.
Clauberg Wir sind zusammen aufgewachsen, wir sind ein eingespieltes Team. Wenn wir auf die Bühne gehen, legen wir den Schalter um und sind voll dabei.
Und wie bewahrt man sich die Leidenschaft über die vielen Jahre?
Clauberg Durch gute Freundschaft, eine gewisse Disziplin und dadurch, dass wir uns nicht andauernd auf der Pelle hängen.
Über ,Lockjaw’ ist in der Regel zu lesen, dass die Band leider noch nicht den Erfolg hat, den sie eigentlich verdient hätte. Werdet Ihr unterschätzt?
Clauberg Es geht. Wir haben eben Kanten und Ecken, mit denen ein 08/15-Hörer Probleme hat. In unsere Musik muss man sich länger reinhören und sich damit beschäftigen.
Ihr wolltet euch zum zehnten Band-Geburtstag eigentlich selber mit einem Vertrag bei einem Major-Label beschenken. Das hat nicht geklappt, warum nicht?
Clauberg Es sollte ein neues Label gegründet werden, und das hat ewig gedauert. Erst haben wir ein halbes Jahr gewartet, dann sollte es noch länger dauern. Die Platte war aber bereits fertig und sollte endlich erscheinen. Dann gab es ein Telefonat: Wir haben dem Label mitgeteilt, dass wir nicht länger warten wollen, und das Label uns, dass nur amerikanische Bands veröffentlicht werden.
Das nächste Stichwort: Kompromisse.
Clauberg Da keiner von uns von der Musik leben muss, müssen wir die musikalisch nicht eingehen. Allerdings sollte es bei Konzerten und Veröffentlichungen immer so laufen, dass stets etwas übrig bleibt. Dass wir uns mal ein neues Mischpult oder eine Kiste mit Kabeln kaufen können. Und das hat bisher immer geklappt.
Stichwort Catering. Was gibt es bei Konzerten hinter der Bühne zu essen?
Clauberg Wir sind alle Vegetarier, unser Gitarrist Felix Knappertsbusch sogar Veganer. Aber wir sind alle keine Hardliner, wir wollen keinen dazu bekehren. Wir finden es nur selber alle gut. Deshalb sind hinter der Bühne Salate und Obst immer willkommen. Meist kriegen kleinere Bands ja vom Veranstalter sowieso nur Nudeln.
Das vorletzte Stichwort: 488 Freunde.
Clauberg Da müssen wir wohl reinhauen, damit es mehr werden (lacht). MySpace ist ja für viele Bands im Internet eine gute Plattform geworden, von der sie abspringen können. Interessanter als viele Freunde by MySpace wäre für uns da schon ein Supporter-System, wie es die ,Einstürzenden Neubauten’ aufgebaut haben. Aber für so etwas muss man wohl etwas bekannter sein.
Zum Abschluss ein schönes Stichwort: Hoffnung.
Clauberg Sollte man immer haben. Für uns als Band ist es ja nicht so, dass wir auf einer hoffnungslosen Position stehen. Für uns gibt es durchaus Hoffnung, dass es weitergeht, Hoffnung auf Weiterentwicklung und Veränderung. So kann es sein, dass wir für unsere nächsten CD kurze, poppige Stücke einspielen, die dann auf längere Sachen treffen – natürlich alles in unserer Stilrichtung.
Jetzt fällt mir doch noch etwas ein: Großzügigkeit.
Clauberg Jeder, der heute zu unserem Konzert in die Merscheider ,Cobra’ kommt, erhält beim Kauf einer Eintrittskarte unsere neue CD geschenkt.
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