Solingen: Mit Pavarotti und Domingo gesungen
VON WOLFGANG GÜNTHER - zuletzt aktualisiert: 09.02.2008Solingen (RPO). „Ich bin Jahrgang 1941“, Professor Crasnaru macht kein Hehl daraus, dass er eigentlich schon im Rentenalter ist. Wenn der Besucher aber erfährt, was der Bass-Bariton in der letzten Zeit so alles geleistet hat, bleibt nur die Erkenntnis: Der Mann steht auch stimmlich noch voll im Saft. Er beherrscht 120 Opernpartien und ist nach wie vor ein gefragter Solist auf vielen Bühnen und Konzertpodien und dazu ein gesuchter Gesangslehrer.
George-Emil Crasnaru entstammt einer Bukarester Künstlerfamilie. Im Männerchor wurde seine Stimme entdeckt, und er genoss eine sehr gute Ausbildung, die ihn in jungen Jahren schon bis nach Italien führte. In seiner Heimatstadt gewann er den ersten von zahlreichen Preisen, schnell wurde er an die Rumänische Staatsoper engagiert, und musste fortan auch bei Empfängen vor Staatschef Ceausescu singen. Auftritte im Ausland wurden erlaubt, seine Familie blieb als Faustpfand zurück.
Im Rahmen einer solchen Auslandsreise sang der Künstler Herbert von Karajan in Berlin vor und wurde sofort für die Salzburger Festspiele 1975 verpflichtet. „Verdis Oper Don Carlos zieht sich wie ein roter Faden durch mein Leben“ erzählt er im Gespräch. In Salzburg sang Crasnaru den Großinquisitor und die Partie des spanischen Königs Philipp. 1980 wurde der politische Druck in seiner Heimat zu groß, er floh nach Deutschland und ging ans Theater Wiesbaden, später nach Saarbrücken.
Gastspiele in aller Welt
George-Emil Crasnaru sang im Laufe seiner Karriere an der Mailänder Scala, gastierte in Paris, London und Monte Carlo. Seine Tourneen führten ihn nach dem politischen Tauwetter auch wieder in den ehemaligen Ostblock und in seine Heimat. „Vor kurzem habe ich noch Mozart in Bukarest gesungen“ erzählt der Gesangsstar, den man auch in Südamerika, China, Korea und Japan durch Konzerte und Rundfunk- und Fernsehaufnahmen mit berühmten Kollegen und Dirigente kennt.
Auf seinem Bücherregal stehen Fotos, auf denen der Bass-Bariton mit seinen Tenorpartnern Placido Domingo und Luciano Pavarotti zu sehen ist. „Ich wollte aber auch immer mein Wissen weitergeben“. Und gleich zwei Universitäten boten ihm eine Professur an, er entschied sich 1994 für Düsseldorf und zog 1998 nach Solingen.
„Ich fühle mich sehr wohl hier“, sagt er im Gespräch mit der Morgenpost. Dem Sänger gefällt die Nähe zur Natur und die zentrale Lage der Klingenstadt. Der Weg zum Flughafen ist nicht weit, denn der Sänger reist nach wie vor als Solist und Lehrer durch die Welt, sein Terminkalender ist auch für 2008 gut gefüllt.
Lehrer von Uwe Buchmann
Auch die Verantwortung für seine Studenten nimmt er sehr ernst, „viele wollen leider heute zu schnell Karriere machen.“ Als Crasnaru Schüler von Rina del Monaco, der Ehefrau des berühmten Tenors Mario del Monaco war, gab sie ihm einmal den Rat: „Du musst erst einmal die Technik des Singens lernen“. Das ist nur einer der Ratschläge, die der Gesangslehrer heute an seine Schüler weiter gibt, zu denen auch der Solinger Tenor Uwe Buchmann gehört.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum



