Solingen: Mord: Stadt weist Mitschuld strikt zurück
zuletzt aktualisiert: 16.07.2010Solingen (RPO). Mit Entschiedenheit hat die Stadt Solingen Vorwürfe zurückgewiesen, sie trage eine Mitschuld an der Ermordung eines Obdachlosen in Ohligs in der vergangenen Woche.
Diese waren laut geworden, nachdem unsere Zeitung gestern berichtete, dass die beiden mutmaßlichen Täter nur einen Tag vor dem Mord vom Wohnungsamt eine gemeinsame Wohnung zugewiesen bekommen hatten – und das, obwohl das Duo gerade erst aus der städtischen Notschlafstelle geflogen war, weil es dort einen anderen Mann brutal misshandelt hatte.
"Die beiden 23-Jährigen tragen ganz allein die Schuld an der schrecklichen Tat", stellte Stadtsprecher Lutz Peters im Gespräch mit der Morgenpost klar. Gleichzeitig erklärte er aber auch, dass bei der Vermittlung von Unterkünften kein Abgleich von Daten zwischen den Behörden erfolge. Tatsächlich hält die Kommune in zwei Objekten in Ohligs und Mitte je 30 Zimmer für Menschen vor, die kein Dach mehr über dem Kopf haben. Zurzeit sind an den zwei Standorten zwölf Personen einquartiert. Dennoch, so der Stadtsprecher, sei man im Rathaus schon aus gesetzlichen Gründen verpflichtet, stets eine ausreichende Zahl von Unterbringungsmöglichkeiten anzubieten. Immerhin, betonte Peters weiter, könne sehr schnell ein Notfall Realität werden, bei dem viele Menschen auf einmal kurzfristig eine Bleibe benötigen: "Etwa, wenn ein Mietshaus abbrennt."
Nun waren die beiden mutmaßlichen Mörder nicht wegen eines Feuers gezwungen gewesen, bei der Stadt nach einer Wohnung zu fragen. Vielmehr waren die beiden aus der Notschlafstelle "10" geflogen. "Was dann aber in Ohligs passierte, war den Männern nicht auf die Stirn geschrieben", sagte Peters deshalb gestern und nahm noch einmal nachdrücklich die Mitarbeiter des Wohnungsamtes in Schutz: "Dort wurde kein Fehler gemacht." Überdies könne man nicht auf der einen Seite immer wieder dem Personalabbau in den Ämtern das Wort reden und auf der anderen Seite gleichzeitig eine hundertprozentige Sicherheit verlangen.
Derweil wurde gestern bekannt, dass die beiden Verdächtigen nach dem Rauswurf aus der "10" von den dortigen Verantwortlichen das Angebot bekamen, ihnen Plätze im Caritas-Wohnheim für Obdachlose an der Dunkelnberger Straße zu besorgen. Aber die zwei 23-Jährigen lehnten dies genauso ab wie ihr späteres Opfer, das fürchtete, in dem Heim Opfer von Gewalt zu werden.
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