Solingen: Moschee in der Tanzschule
VON BASTIAN GLUMM - zuletzt aktualisiert: 21.02.2009Solingen (RPO). Vertreter der in der Innenstadt beheimateten Glaubensgemeinschaften folgten jetzt einer Einladung des Islamischen Zentrums Solingen. In der Moschee "Al-Nour" an der Florastraße wurden intensive Gespräche geführt.
Als der Verein Islamisches Zentrum im Jahr 2003 das Gebäude der ehemaligen Tanzschule Waluga an der Florastraße erwarb, hatte die moslemische Gemeinde noch einige Hürden zu nehmen, bevor man die lang gewünschte Moschee endlich feierlich eröffnen konnte. Städtische Auflagen, Umbauarbeiten und Sanierungen zogen sich in die Länge, so dass erst 2006 zwei Gebetsräume ihrer Bestimmung übergeben werden konnten. "Wir haben in Etappen renoviert und sind Ende letzten Jahres mit der Innensanierung fertig geworden. Als nächstes kommt die Gestaltung des Außenbereichs dran, was aber noch finanziert werden muss", erklärt Vereinssprecher Mohammed Zorba.
Sämtliche Arbeiten wurden bisher von den 55 Gemeindemitgliedern selbst getragen. Fördergelder sind nicht geflossen. Bis zu 200 Gläubige suchen die Moschee zu den Freitagsgebeten auf. Strikt nach Geschlechtern getrennt, beten Männer und Frauen in jeweils eigenen Gebetsräumen. Das Islamische Zentrum ist auf gute Beziehungen zu seinen Nachbarn bedacht. Deshalb lud man jüngst nicht nur die Anwohner der Florastraße ins Gotteshaus ein. Auch alle in der Innenstadt beheimateten Gemeinden aller Glaubensrichtungen – katholische, evangelische, freikirchliche und islamische Gruppen – konnten sich jetzt selbst ein Bild der Moschee mit ihren Gläubigen machen.
Islamisches Zentrum
Der Verein Islamisches Zentrum Solingen ist einer der ältesten moslemischen Glaubensgemeinschaften in der Klingenstadt. Lange Jahre pflegten die Gemeindemitglieder ihren Glauben in eher provisorischen Räumen in den ehemaligen Güterhallen. Als die Umnutzung des gesamten Areals bekannt wurde, musste sich der Verein nach einer neuen Heimat umschauen. Fündig wurde man mit der ehemaligen Tanzschule Waluga an der Florastraße.
"Unsere Nachbarn sollen den Islam kennen lernen, und natürlich sollen so auch Vorurteile abgebaut werden. In den Medien wurde in der Vergangenheit über den Islam oft sehr negativ berichtet", meint Zorba.
Bei einem gemeinsamen Essen kamen sich die Vertreter der verschiedenen Gemeinden näher. Intensive Gespräche zeigten zahlreiche Gemeinsamkeiten der Religionen auf. "Wir, die wir hier sind, haben eines gemeinsam: Wir tappen nicht ziel- und orientierungslos durchs Leben", sagte Dr. Bert Moll, Dialogbeauftragter der katholischen Kirche. Man sei als kirchliche Gemeinschaft nur glaubhaft, wenn man aktiv dem Frieden diene. "Deshalb müssen wir das Gute im anderen erkennen und aufeinander zugehen. Der Glaube dieser islamischen Gemeinde gebietet ihren Mitgliedern, ein gutes Verhältnis zu den Nachbarn zu pflegen", machte Moll deutlich.
Gegenbesuche geplant
Inzwischen sind sogar Gegenbesuche geplant und gemeinsame Aktivitäten werden in Betracht gezogen. Bert Moll forderte alle anwesenden Gläubigen auf, dem Islam mit seinen Gläubigen mit Toleranz zu begegnen. "Denn die Ärgernisse und Vorurteile wachsen in unserer Gesellschaft wieder", mahnte er.
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