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Solingen: Mülltonnen blieben stehen

VON MARTIN OBERPRILLER - zuletzt aktualisiert: 12.12.2009

Solingen (RPO). Mit dem Warnstreik am Freitag wollten die Müllwerker den Druck vor neuen Tarifverhandlungen kommende Woche erhöhen. Der Knackpunkt: Sollen Vergünstigungen auch für Neu-Angestellte gelten?

Kaum ein Durchkommen: Die Solinger Müllwerker ließen lediglich ein Einsatzfahrzeug am EBS-Betriebshof Dültgenstaler Straße ein- und ausfahren. Der Wagen konnte trotz Warnstreik die Krankenhäuser ansteuern. Fotos (2) Martin Kempner Foto: RPO
Kaum ein Durchkommen: Die Solinger Müllwerker ließen lediglich ein Einsatzfahrzeug am EBS-Betriebshof Dültgenstaler Straße ein- und ausfahren. Der Wagen konnte trotz Warnstreik die Krankenhäuser ansteuern. Fotos (2) Martin Kempner Foto: RPO

Es war eiskalt. Und so wird Siegfried Schulz, Leiter der Entsorgungsbetriebe (EBS), einen Augenblick sogar froh gewesen sein über die Warnstreikenden, die sich Freitagmorgen ab 6.30 Uhr vor dem EBS-Betriebshof an der Dültgenstaler Straße aufgebaut hatten. Immerhin kam der Chef auf diese Weise bereits zu einem Kaffee, noch ehe er sein Büro betreten hatte. Gleichwohl, der Rest, den die Müllwerker ihm einschenkten, dürfte Schulz weniger geschmeckt haben. Denn mit der Arbeitsniederlegung gestern wollten die Beschäftigten vor der nächsten Verhandlungsrunde um den neuen Tarifvertrag für die 68 Müllwerker am Mittwoch vor allem Druck erzeugen.

Info

Neue Abholtermine

Bis kommenden Mittwoch sollen laut Stadt der gestern nicht abgeholte Müll entfernt werden. Dies betrifft die grauen Tonnen und den Sperrmüll, der liegenblieb.

Sollten Tonnen zu voll werden, können in "angemessenen Umfang" Säcke dazugestellt werden.

Nur ein Wagen fuhr

Überall in Solingen blieben Mülltonnen stehen, nur einen Wagen ließen die Streikenden vom Hof. "Der fährt Krankenhäuser an", berichtete Gewerkschaftssekretär Peter Schneider. Eine Frage der Verhältnismäßigkeit – schließlich wollen die Männer von der Müllabfuhr, so der Tenor, nicht für Chaos sorgen, sondern auf ihre Forderungen aufmerksam machen. Damit meinen sie es aber bitterernst. "Wir sind an der Grenze der Belastbarkeit", findet Gerd Krupp, seit zehn Jahren in Diensten der EBS. Er will nicht einsehen, dass nach der Kündigung des alten Tarifvertrags 2008 noch immer kein neuer Kontrakt zustande gekommen ist.

Der Hintergrund: Die Verhandlungen waren im Oktober zunächst für gescheitert erklärt worden, weil sich die Parteien nicht einigen konnten, für wen noch Sonderzahlungen wie die Erschwernis-Zulage gelten sollten. Denn während die derzeitig Beschäftigten in den Genuss eines "Bestandsschutzes kommen", wie EBS-Leiter Schulz später betonte, gehen die Meinungen über die Entlohnung von Neuen auseinander. Die sollen nämlich nicht mehr jene übertariflichen Leistungen erhalten, die, so Schulz, "bis zu 500 Euro im Monat ausmachen".

Im Augenblick ist hiervon zwar nur ein Kollege betroffen, aber wie Christoph von zur Gathen fürchten "eine Zweiklassengesellschaft". Der 34-jährige ist vor drei Monaten Vater eines kleinen Jungen geworden. Seine Frau geht im Moment nicht arbeiten – klar, die Familie muss sich zur Decke strecken. Und da ist es schwer, wenn, so sieht es zumindest von zur Gathen, immer weniger Planungssicherheit besteht. Verdi-Mann Peter Schneider kann die Ängste verstehen. Denn auch er fürchtet eine Spirale nach unten, wenn erst mal Müllwerker zusammen Kolonnen bilden, die für gleiche Arbeit unterschiedlichen Lohn kriegen. Ist es am Ende gar so, dass auch die Alt-Beschäftigten gedrückt werden? Siegfried Schulz' Antwort fällt eindeutig aus. "Nein", stellt der Chef klar, der aber auch keinen Zweifel lässt, dass gespart werden muss. "Wir wollen eine Kolonne streichen", sagt Schulz, der nächste Woche ein neues Angebot unterbreiten will. Ob vor Weihnachten noch mal gestreikt wird, ist nicht klar. Viel hängt von den Gesprächen ab. "Aber wir sind kampfbereit", hieß es gestern.

Quelle: RP

 
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