Solingen: Müllwerker für einige Minuten
VON LESLIE BROOK - zuletzt aktualisiert: 15.02.2007Solingen (RPO). Die Entsorgungsbetriebe wollen Kinder für den richtigen Umgang mit Müll, Schadstoffen und ihrer Umwelt sensibilisieren. Sie lernen Kehrmaschine, Streuwagen, Schadstoffmobil und als Höhepunkt den Müllwagen kennen.
Ohne die knallorange Sicherheitsweste dürfen die Kinder aus dem Kindergarten Pünktchen nicht auf das Gelände der Entsorgungsbetriebe. „Damit euch jeder gut sehen kann“, erklärt Martina Chudek. Und natürlich für das richtige „Müll-Feeling“. Die zwölf Kinder werden im Sommer eingeschult, „vorher sollen sie noch etwas für den Lebensalltag lernen“, berichtet die Mitarbeiterin von den Entsorgungsbetrieben. Der Betrieb bietet deshalb immer mittwochs für Kindergarten- und Schulkinder ein spielerisches Umwelterziehungsprogramm an.
In die drei Gruppen „Totenköpfe“, „Besen“ und „Mülltonnen“ eingeteilt erkunden die Fünf- und Sechsjährigen den Betriebshof. Ihre Stationen sind das Schadstoffmobil, die Kehrmaschine und, als Höhepunkt – das Müllauto. Die vier „Totenköpfe“ Leon, Ebru, Leonie und Victoria beginnen ihre Tour bei Olaf Henrichs im Schadstoffmobil, wo sie gleich ihr Symbol auf so mancher Kiste wiederentdecken. „Sind da Piraten drin?“, will Henrichs wissen. Aber darauf fallen seine Lehrlinge trotz Karneval nicht rein. Sie sind gut informiert und wissen sofort, dass es giftig bedeutet. Auch mit der Flamme als Zeichen für etwas Brennbares können sie etwas anfangen. Aber was bedeutet eigentlich ätzend? Geschockte Augen blicken Henrichs an, nachdem er triumphierend eine Flasche Reinigungsmittel hochhält. Das kennen die Kids vom Hausputz ihrer Mütter. Dass es aber gefährlich ist, wussten sie nicht. Ab jetzt wollen sie darauf achten, dass Zuhause alles richtig entsorgt wird. Währenddessen hievt „Müllmann“ Rolf Mutz die Kleinen ins große Müllauto. „Ich nenne mich aber offiziell Müllwärter“, belehrt er seine Mitfahrer. Sie strahlen über den tollen Überblick, den man aus der Fahrerkabine genießen kann. „Auf der Straße dürfen wir leider nicht fahren, aber auch hier auf dem Gelände hat schon so manches Kind gekreischt.“ Dieser Vierergruppe mit Marcel, Lucas, Alex und Bahar entfährt allerdings nur der ein oder andere kleine Jauchzer – sonst halten sie sich ziemlich gelassen fest. Ein „Boah“ ist zu hören, als sie in die Streuhalle hineinfahren, in der 900 Tonnen Salz lagern.
Sandy, Norrin, Kate und Julia dürfen den Hebel hinten am Müllwagen betätigen und die Tonnen in die Luft fahren lassen. Damit sie dabei noch authentischer wirken, haben sie eine passende Käppi aufbekommen – natürlich auch in Signalorange.
Schließlich berichtet Thomas König von seinem Job als Kehrmaschinenfahrer, sucht mit den Kindern die Bürsten und demonstriert seinen Fernseher, auf dem man zwar nicht „Spongebob“ sehen, aber überprüfen kann, ob eine Laterne im Weg steht.
Die Kinder haben eine Menge dazu gelernt und einige wollen jetzt am liebsten auch „Müllwärter“ werden.
Noch Termine frei
Das Angebot der Entsorgungsbetriebe Solingen (EBS) gibt es seit etwa 14 Jahren – so lange ist Martina Chudek bei den EBS angestellt und hat das Programm aufgebaut. Immer mittwochs haben die beteiligten Mitarbeiter Zeit für die Kindergartenkinder. Die Lehrer und Erzieher melden ihre Gruppen an. Das Angebot ist kostenfrei. Zwischen Februar und den Sommerferien gibt es die Umwelterziehung. Noch sind einige Termine für 2007 frei. Für ältere Kinder von weiterführenden Schulen gibt es eine Müll-Rallye.
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