Solingen: Müngstener Brücke: Vorerst Schneckentempo
VON UWE VETTER - zuletzt aktualisiert: 09.11.2010Solingen (RPO). Das Eisenbahn-Bundesamt prüft weiter die Ergebnisse der Messungen an der Müngstener Brücke, die im September erfolgten. Die Bahn muss zusätzliche Informationen liefern; die Stadt erwartet jetzt eine Entscheidung.
Moritz Huckebrink gibt sich zugeknöpft: "Die Prüfung der Messergebnisse dauert noch an. Wir stehen in laufenden Gesprächen mit der Bahn", sagt der Sprecher des Eisenbahn-Bundesamts zum Stand der Dinge bei der Müngstener Brücke. "Bis jetzt ist noch keine Entscheidung gefallen", ergänzt Huckebrink und will sich nicht dazu äußern, wann ein Ergebnis vorliegt: "Eine zeitliche Prognose können wir nicht abgeben."
Ende September waren die dreitägigen Messfahrten auf der Müngstener Brücke erfolgreich beendet worden. Drei Dieselloks hatten die Strecke zwischen Solingen-Mitte und Remscheid-Güldenwerth insgesamt 50 mal befahren, an 190 Messpunkten an der Brücke wurden dabei die Spannungen in der Brücke infolge der Belastungen gemessen. Den Belastungstest hatte das Eisenbahn-Bundesamt angeordnet. Die Bahn muss den statischen Nachweis erbringen, dass die Müngstener Brücke standsicher ist und Eisenbahnverkehr gefahrlos stattfinden kann.
Müngstener Brücke
Die Müngstener Brücke ist mit 107 Metern Deutschlands höchste Eisenbahnbrücke.
Erbaut wurde die 465 Meter lange Brücke zwischen 1894 und 1897.
Über 5000 Tonnen Stahl und 950 000 Nieten wurden verbaut.
Zurzeit ist die Brücke für den Güterverkehr gesperrt, für den Personenverkehr hat das Eisenbahn-bundesamt eine Geschwindigkeit von zehn km/h angeordnet.
Zurzeit ist die Brücke für den Güterverkehr gesperrt, der Müngstener, die Regionalbahn 47, darf die Brücke nur mit Tempo zehn überfahren, Begegnungsverkehr auf der Brücke darf nicht stattfinden. "Der Ball liegt jetzt auf dem Spielfeld des Eisenbahn-Bundesamtes", sagt Bahn-Sprecher Gerd Felser zum Stand des Verfahrens.
Erster Beigeordneter Hartmut Hoferichter ist gleichwohl guter Dinge, dass jetzt kurzfristig eine Entscheidung fallen wird. "Nach einem Gespräch zwischen der Bahn und dem Eisenbahn-Bundesamt vergangene Woche soll die Bahn jetzt noch einige wenige Zusatzinformationen nachreichen", sagte Hoferichter gestern auf Anfrage unserer Zeitung. Der Erste Beigeordnete geht davon aus, dass dies zügig über die Bühne geht: "Ende dieser oder aber Anfang nächster Woche rechne ich mit einer Entscheidung des Eisenbahn-Bundesamtes."
Während Deutschlands höchste Eisenbahnbrücke nach wie vor nur im Schneckentempo überfahren werden darf, hat sich der Bahnverkehr dagegen auf der Strecke des Müngsteners wieder normalisiert, bestätigt Bahn-Sprecher Udo Kampschulte. Vergangenen Freitag musste die Strecke zwischen Solingen, über Remscheid nach Wuppertal wegen herbstlichen Witterungseinflüssen – Laub auf den Schienen – für drei Stunden komplett gesperrt werden.
"Der Herbst kam für uns nicht überraschend. Es sind alle möglichen technischen Innovationen vorhanden, aber wenn die Witterungseinflüsse geballt auftreten und nur ein Fahrzeug in Schwierigkeiten gerät, dann greifen nicht alle Maßnahmen", meint Udo Kampschulte. Mit Blick auf noch vorhandenes Laub auf den Bäumen ergänzt der Bahnsprecher indes: "Es kann noch mal so kommen wie am Freitag."
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