Solingen: Neonazis keine Chance geben
VON ISABELLA BALTES UND GÜNTER TEWES - zuletzt aktualisiert: 23.02.2012Solingen (RP). Die Zeitzeuginnen Inge Krämer und Eva Maria Weck berichteten Schülern der Klasse 8e beim "Weiße-Rose-Tag" der Geschwister-Scholl-Gesamtschule, wie sie in ihrer Jugend dem Nazi-Terror ausgesetzt waren. Ihre authentischen Lebensgeschichten berührten die Schüler.
Jedes Wort von Inge Krämer und Eva Maria Weck nehmen die Schüler der 8e der Geschwister-Scholl-Gesamtschule mit Interesse auf. Gespannt hören sie in ihrem Klassenraum im Unterrichtsgebäude an der Querstraße zu, wenn die beiden Zeitzeuginnen von ihrer eigenen Jugend berichten und dem Terror der Nazis, dem sie und ihre Eltern damals ausgesetzt gewesen waren.
In Schutzhaft genommen worden
Doch die beiden Solingerinnen erzählen nicht von der großen Politik und dem Weltgeschehen, sie schildern ganz persönlich, wie die Nazi-Diktatur in den Alltag zweier Familien eingriffen hatte, wie ihre Eltern um ihre Leben fürchten mussten: Nur weil der Vater von Inge Krämer mit einem hungrigen Zwangsarbeiter unter Tage in der Zeche sein Brot geteilt hatte. Deshalb wurde er von den Nazis inhaftiert, kam in Schutzhaft – und überlebte durch glückliche Umstände. Unmittelbar nach dem Krieg, erzählt Inge Krämer den Achtklässlern, haben sich der Mann aus Russland und ihr Vater dann wiedergetroffen.
Die beiden Männer haben sich umarmt und sich daran erinnert, wie ein deutscher Bergmann und ein russischer Zwangsarbeiter, den die Faschisten zum Feind erklärt hatten, ein Stück Menschlichkeit in Deutschlands dunkelster Zeit vorlebten, indem sie ein Stück Brot miteinander teilten. Eva Maria Wecks Vater hingegen wurde damals von den Faschisten gezwungen, in die Partei einzutreten. Mutig hatte er sich wegen seiner christlichen Überzeugung dagegen gewehrt, riskierte damit sein Leben.
Die beiden Zeitzeuginnen schildern berührend und authentisch. Und das spüren die Achtklässler immer wieder, wenn Inge Krämer und Eva Maria Weck erzählen.
Gast im Klassenraum der 8e ist außerdem Klara Tuchscherer, die von ihrem Vater erzählt, der das Buch "Widerstand in Solingen" mit herausgegeben hat.
Gestern war "Weiße-Rose-Tag" an der Ohligser Gesamtschule: Am 22. Februar jährt sich der Todestag der Widerstandskämpfer Hans und Sophie Scholl. Die beiden Münchener Studenten hatten Flugblätter der "Weißen Rose" verteilt und waren 1943 von den Nazis verhaftet und getötet worden.
Die Geschwister sind Namensgeber der Ohligser Gesamtschule. Es hat Tradition, ihnen an diesem 22. Februar zu gedenken. Den beiden Solingerinnen mit ihren Lebensgeschichten geht es längst nicht nur um das Vergangene mit der Erinnerung an das Terror-Regime. Sie wollen die Schüler in dem Klassenzimmer an der Querstraße starkmachen gegen die Neonazis, damit ihre dumpfen Parolen nie wieder Gehör finden, damit rechtsextremer Gewaltin der heutigen Zeit energisch ein Riegel vorgeschoben wird.
Angelika Kirberg ist Klassenlehrerin der 8e der Ohligser Geschwister-Scholl-Gesamtschule. Es ist eine Geschichts-interessierte Klasse, die immer wieder nach jener Zeit und dem Schicksal der Menschen gefragt hat, berichtet die Pädagogin.
Daher hat sich Lehrerin Kirberg mit den Achtklässlern auch die neue Verfilmung über das Leben der Anne Frank angesehen. "Es ist ein sehr bewegender Film", sagt Lehrerin Kirberg.
Sie ist froh, dass ihre Klasse jetzt auch die Möglichkeit hatte, den beiden Zeitzeuginnen Inge Krämer und Eva Maria Weck zuzuhören. Geschichte werde für die Schüler so doch sehr viel intensiver und fesselnder.
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