Solingen: Neue Schule vorstellbar
VON GÜNTER TEWES - zuletzt aktualisiert: 20.12.2010Solingen (RPO). Zwei Hauptschulgebäude werden frei. Das eröffnet in Ohligs und Krahenhöhe Möglichkeiten. Eltern haben Berührungsängste bei der Hauptschule – anders ist der dramatische Rückgang der Anmeldezahlen an dieser Schulform nicht zu erklären.
Vorbehalte zeigen die Berufsschüler des Mildred-Scheel-Kollegs allerdings keine; im Gegenteil: Wie selbstverständlich kommen die Zwölftklässler nach dem Unterricht die Treppe in der Ohligser Hauptschule hinunter. Es ist auch ihr Schulgebäude.
Weil das Mildred-Scheel-Berufskolleg aus allen Nähten platzt, ein provisorischer Klassenraumcontainer wegen eines Wasserschadens nicht nutzbar ist, sind in diesem Schuljahr gleich vier Berufsschulklassen mit angehenden Fachabiturienten in die Hauptschule Ohligs ausgewichen. "Die Zusammenarbeit ist sehr positiv", sagt Mildred-Scheel-Rektorin Gabriele Stobbe-Dibbert.
Die Hauptschule Ohligs läuft zum Sommer 2013 aus, ein Jahr später wohl die Krahenhöhe. Was aus den Hauptschulgebäuden samt der beiden großen Sporthallen wird, ist derzeit zwar noch nicht entschieden. Bedarf an den beiden Schulstandorten herrscht aber schon heute – und das längst nicht nur bei den Fachabiturienten des Mildred-Scheel-Berufskollegs. Neben vielen Sportvereinen belegen allein die Grundschulen Meigen und Schützenstraße 32 Unterrichtsstunden in der Turnhalle der Krahenhöher Hauptschule, teilt Rektor Reinhard Schneider mit. In Ohligs sieht es nicht anders aus. "Wir haben hier doch eine große Handballturnhalle", sagt Schulleiterin Susanne Cortinovis.
Das Unterrichtsgebäude sei ohnehin gut in Schuss. Auf die Frage, ob es deshalb nicht trefflich geeignet wäre für die vierte Gesamtschule oder eine Gemeinschaftsschule, antwortet Cortinovis symbolkräftig: "Wir sind offen für eine Weiterentwicklung." Offen für neue Vorstellungen ist Schulausschuss-Vorsitzender Markus Preuß (BfS). Konkretes benennen will er aber nicht. "Alle Denkmodelle sind zulässig." Als Kardinalfehler bezeichnet er, sich vorzeitig festzulegen und die beiden Gebäude vorschnell aufzugeben. Udo Depping, Leiter des Stadtdienstes Schulen, sieht das genauso: Bis zum Auslaufen der Hauptschulen Ohligs und Krahenhöhe sei noch genügend Zeit zum Überlegen, was mit den Gebäuden passieren könnte.
Kommt eine Gemeinschaftsschule ?
Also wäre hier Platz für eine Gemeinschafts- oder die Gesamtschule? Diese Option geht selbst Reiner Daams, Kreisverbandssprecher der Grünen, vorerst noch zu weit: Es bedarf zunächst einer sorgfältigen Diskussion über die Zukunft der Schullandschaft. Woher der Wind weht, macht er aber dennoch deutlich: "In Solingen besteht seit vielen Jahren ein deutlicher Elternwille für mehr Plätze an Schulen, die alle Bildungsgänge eröffnen – und für ein längeres gemeinsames Lernen." Handlungsbedarf angesichts von hunderten Kindern, die jedes Jahr an den Gesamtschulen abgelehnt werden, verhehlt Daams jedenfalls nicht. "Seit zehn Jahren kommen wir in Solingen nicht weiter bei der Frage, wie wir den Elternwillen erfüllen können."
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