Solingen: Neue Schule wird geprüft
VON GÜNTER TEWES - zuletzt aktualisiert: 18.03.2011Solingen (RPO). Die Gemeinschaftsschule ist die kleine Schwester der Gesamtschule und soll in Solingen zur Option werden. Dazu erteilte der Schulausschuss der Verwaltung einen Prüfauftrag. Ministerin Sylvia Löhrmann war Gast der Sitzung.
14 Gemeinschaftsschulen gehen im Sommer in NRW an den Start; über 40 Interessenbekundungen liegen Schulministerin Sylvia Löhrmann bereits fürs nächste Jahr vor. Solingen könnte noch dazu kommen.
Die Gestaltungsmehrheit hat gestern im Schulausschuss gegen die Stimmen der CDU und bei der Enthaltung der FDP die Verwaltung beauftragt, die Möglichkeiten der Errichtung einer Gemeinschaftsschule zu prüfen. Die Ergebnisse sollen möglichst im Mai, in jedem Fall aber vor der Sommerpause vorliegen – gemeinsam mit dem bereits erteilten Prüfauftrag zur Errichtung einer vierten Gesamtschule.
Anmeldezahlen
An den drei Gesamtschulen konnten zuletzt 272 Kinder nicht aufgenommen werden. Dagegen wollen Eltern ihr Kind möglichst nicht zur Hauptschule schicken. Das zeigten die jüngsten Anmeldungen. Über 93 Prozent der Viertklässler wurden an Real- und Gesamtschulen sowie Gymnasien angemeldet. Tendenz: steigend.
"Die Zeit drängt", damit Solingen angesichts der Nachfrage nach der neuen Option Gemeinschaftsschule im Land nicht den Anschluss verpasse, mahnt Iris Preuss-Buchholz (SPD) während der zum Teil mit viel Emotionen geführten Diskussion im Kammermusiksaal mit Blick auf die insgesamt wohl nur rund 50 Plätze in NRW bei dem Schulversuch.
Zeitdruck sieht auch Martina Zsack-Möllmann (Grüne). Um im nächsten Jahr starten zu können, müsse nach den Sommerferien die Elternbefragung laufen. Die Mehrheitsparteien haben sich bei ihrem politischen Kurs jedenfalls festgelegt. "Als Gestaltungsmehrheit wollen wir nicht mehr hinnehmen, dass im nächsten Jahr wieder über 200 Kinder an den Gesamtschulen abgelehnt werden", zurrt Zsack-Möllmann die Position fest.
NRW-Schulministerin Sylvia Löhrmann ist Gast im Schulausschuss. Eingeladen wurde die Solingern, die einst lange Jahre selbst Mitglied des Gremiums war, vom Vorsitzenden Markus Preuß (BfS).
Gute Ratschläge wolle sie dem Ausschuss nicht erteilen. "Sie werden von mir keinen Satz zu den Schlussfolgerungen hören. Das ist ihre Aufgabe", sagt die stellvertretende NRW-Ministerpräsidentin zur Rollenverteilung. "Hinweise", die Möglichkeiten einer Gemeinschaftsschule kreativ auszuloten, gibt sie aber dennoch.
In Köln entstehe diese beispielsweise in einem freiwerdenden Schulgebäude und kooperiere mit der Oberstufe einer Gesamtschule. In Billerbeck im ländlichen Münsterland konnte sich nach Löhrmanns Worten die dortige CDU mit dem Namen nicht anfreunden. Daraufhin wurde die Gemeinschaftsschule in "Eine Schule für alle Kinder" umgetauft.
Für Solingens CDU-Schulpolitiker ist das freilich keine Option. Sprecherin Nicole Molinari kritisiert das Konzept wegen der großzügigen Landesförderung als "Modell der Ungerechtigkeit" gegenüber anderen Schulformen.
Bei der über zweistündigen Debatte mit Löhrmann gerät die Landespolitik immer wieder in den Fokus. Für den Schulausschuss-Vorsitzenden Preuß haben die CDU- und FDP-Schulpolitiker unter den Ausschuss-Mitgliedern damit eine Chance vertan. "Die Opposition hat sich in einen landespolitischen Schlagabtausch ergossen, statt Solingen-bezogene Fragen zur Bildungspolitik zu stellen", zieht Preuß im Gespräch mit unserer Zeitung ein Fazit.
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