Solingen: Neue Zuflucht der Caritas für Wohnungslose
VON ALEXANDER RIEDEL - zuletzt aktualisiert: 04.02.2012Solingen (RP). Den meisten Applaus bekam ein Mann, der eher zurückhaltend an das Mikrofon herantrat: Marc Giesen, ehemaliger Bewohner in der mittelfristigen Wohnhilfe, hatte kräftig mit angepackt, als die Caritas ihr Gebäude an der Bahnstraße runderneuern ließ. "Ich habe Wände eingerissen, neu aufgebaut, verputzt, gestrichen und Durchbrüche für Leitungen gemacht", zählte er auf und schob ein bescheidenes "das war alles" hinterher.
Giesen, der 18 Monate im ehemaligen Caritas-Haus an der Dunkelnberger Straße in Ohligs verbracht hatte, lebt mittlerweile seit Jahren wieder in einer eigenen Wohnung. Zur Einweihung der neuen Einrichtung für die Wohnungslosenhilfe waren neben dem Solinger Caritas-Direktor Christoph Humburg auch Stadtdechant Bernhard Dobelke und Prälat Heinz-Manfred Jansen erschienen, um dem Haus ihren Segen zu geben. Cellist Thomas Beckmann begleitete die Feierstunde musikalisch.
Das Wohnheim für Langzeitobdachlose ist bereits seit zehn Jahren in dem Haus beheimatet. In den übrigen Gebäudeteilen befand sich über einen längeren Zeitraum eine Einrichtung für Flüchtlinge und Asylbewerber. Im Jahr 2009, nachdem die Flüchtlingshilfe geschlossen hatte, entschied die Caritas, auch die mittelfristige Wohnhilfe und die Notunterkünfte von der Anlaufstelle Dunkelnberger Straße zur Bahnstraße zu verlagern. "Jetzt haben wir alles unter einem Dach", resümierte Christoph Humburg.
700 000 Euro investiert
Für insgesamt 700 000 Euro wurde das Gebäude grundsaniert, zudem die Fassade erneuert und das Dach mit Solarzellen versehen. Auch die Bewohner hätten dabei fleißig mitgeholfen, betonte der Caritas-Direktor.
Einer der Väter des Projekts ist Prälat Heinz-Manfred Jansen, der von 1986 bis 2008 selbst Vorsitzender des Solinger Caritasverbandes war. "Wir haben in Ohligs mehr als nur zwei Gotteshäuser", sagte er in Anspielung auf die katholische Kirche St. Joseph und die evangelische Stadtkirche Ohligs.
Auch in der neuen Betreuungseinrichtung werde ein Gottesdienst verrichtet, und zwar nicht durch fromme Worte, sondern durch die Zuwendung der Mitarbeiter. "Die Caritas ist nicht nur ein Wurmfortsatz am Blinddarm Christi", hob Jansen hervor.
Die Unterstützung von Kranken und Obdachlosen sei ein wesentlicher Bestandteil des kirchlichen Lebens. Seit dem 10. Januar leben die ersten Bewohner der mittelfristigen Wohnhilfe an der Bahnstraße. In Anlehnung an die ärmlichen Umstände der Geburt Christi wird die neue Einrichtung "Haus Bethlehem" heißen. "Sie haben einen prominenten Kollegen", gab Heinz-Manfred Jansen den Bewohnern mit auf den Weg.
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