Solingen: ÖPNV: Hängepartie mit Dominoeffekt
VON M. OBERPRILLER UND A. RÖHRIG - zuletzt aktualisiert: 12.07.2007Solingen (RPO). Verspätete Züge, Bahnen, die ganz ausfallen: Es ist nicht ungewöhnlich, dass Fahrgäste der Regionalbahn (RB) 47 des Öfteren auf dem service-technischen Abstellgleis landen.
Nun könnte ein ähnliches Schicksal auch die Deutsche Bahn AG auf der Strecke des „Müngsteners“ zwischen Solingen und Wuppertal ereilen – wenigstens dann, wenn der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) bei den Verhandlungen mit dem Quasi-Monopolisten demnächst die Notbremse zieht.
„Die Gespräche mit der Bahn über eine bessere Qualität müssen bis September über die Bühne sein“, erklärte gestern VRR-Sprecherin Sabine Tkatzik gegenüber unserer Zeitung. Nur wenn dies gelänge, könnte die eigentlich für Ende des Jahres vorgesehene Umsetzung des neuen Fahrplankonzeptes realisiert werden und die neuen S-Bahn-Verbindungen von der Klingenstadt in Richtung Düsseldorf ins Rollen kommen.
Zwar will man beim VRR noch nicht so weit gehen und die Verhandlungen für gescheitert erklären. Trotzdem fällt auf, dass der Verkehrsverbund nach Erstellen eines Gutachtens der Meinung ist, im Rahmen einer Regionalisierungsumlage jährlich 45 Millionen Euro zuviel an die Bahn zu bezahlen – und dementsprechend seit Anfang Juli 21 Millionen Euro einbehält. Nun mag es sich dabei erst einmal um nichts anderes als einen Streit ums liebe Geld handeln, den die beiden Kontrahenten demnächst vielleicht vor Gericht ausfechten. Zurzeit ist eine bei der Bezirksregierung angesiedelte Behörde mit dem preisrechtlichen Problem befasst. Doch verhält es sich überdies wohl so, dass den VRR-Verantwortlichen der Geduldsfaden reißt – und das könnte einen Dominoeffekt in Richtung Solingen zeitigen. So will der Verkehrsverbund die RB 47 neu ausschreiben. Im Klartext: In Zukunft könnte die Strecke von einem neuen Schienenunternehmen befahren werden – und die Bahn AG würde ins Abseits rollen.
Bei der S-Bahn ist dies aufgrund langfristiger Verträge zunächst zwar nicht möglich. Doch steht hier ja in den Sternen, ob ab Dezember tatsächlich die S 1 anstelle der S 7 die Strecke Ohligs-Düsseldorf bedient. Und dies wiederum dürfte bei den Solinger Verkehrsbetrieben auf Interesse stoßen. Denn was Pendlern eventuell ganz recht käme (sie könnten einstweilen weiter direkt zum Flughafen kommen), dürfte den Verkehrsbetrieben Schwierigkeiten bereiten. „Wir brauchen drei Monate, um unseren eigenen Fahrplan umzustellen“, heißt es. Und der steht und fällt mit dem Plan des VRR, gilt es doch, beide Systeme aufeinander abzustimmen. Allein: Mit der Verständigung hapert es einstweilen noch gehörig. Die Verhandlungen mit der Bahn glichen einer „Hängepartie“, teilte der VRR mit.
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