Solingen: Ohligs tischt auf
VON GÜNTER TEWES - zuletzt aktualisiert: 06.09.2010Solingen (RPO). Eine lange Tafel bauten die Ohligser Geschäftsleute beim Verwöhn-Sonntag in der Fußgängerzone auf. Ob das geplante Einkaufszentrum auf dem Ex-Olbo-Areal das dynamische Gefüge zerstört, bleibt aber abzuwarten.
Er hält große Stücke auf den Stadtteil: Phillip Flohr gehört bei der Ohligser Werbe- und Interessengemeinschaft (OWG) zum Arbeitskreis des gestrigen Verwöhn-Sonntags. Dass Marktleute, Händler und Gastronomen diesen gemeinsam auf die Beine gestellt haben, sei in der Form neu, sagt Flohr. Für ihn belegt die Veranstaltung eindrucksvoll, dass Ohligs eine gewisse Dynamik besitzt, die den Stadtteil von anderen unterscheidet. "Ohligs hat mit dem hohen Anteil an privatgeführten Geschäften einen eigenen Charakter" – mit dem Ergebnis, dass es auf der Düsseldorfer Straße keinen Leerstand gebe; bis auf ein Ladenlokal, das derzeit jedoch schon umgebaut werde.
Pläne für Olbo
Der Investor will auf dem rund 25 000 Quadratmeter großen ehemaligen Olbo-Areal, auf dem noch bis Mai 2006 Industrie-Textilien hergestellt wurden, eine Einkaufsgalerie realisieren, sowie eine hochwertige Wohnbebauung. Das Konzept sieht zudem vor, im oberen Bereich des Neubaukomplexes Büros für Dienstleister einzurichten.
Zum Vergleich: Wald, aber auch die Solinger Innenstadt, die seit langem auf den Baustart des geplanten Hofgartens auf dem ehemaligen Karstadt-Areal wartet, ist dagegen sehr wohl von der Leerstandsproblematik erfasst. Beobachtet wird, dass vor allem der alte Karstadt-Kasten in der City, der noch immer nicht abgerissen ist, die weitere Entwicklung der Innenstadt blockiert, weil investitionsfreudige Geschäftsleute erst einmal abwarten, was mit dem Hofgarten passiert.
Entsprechend kritisch beäugen die Händler in Ohligs, wie es bei ihnen mit der angedachten Einkaufsgalerie auf dem ehemaligen Betriebsgelände von Olbo weitergeht. "Dort werden dann doch fast nur Filialisten reingehen", ist OWG-Mitglied Phillip Flohr überzeugt. Ob das Händler-Gefüge des dynamischen Stadtteils dadurch aus den Fugen geraten könnte, bleibt nach seinen Worten jedenfalls abzuwarten: "Das kommt darauf an, wie groß die Einkaufsgalerie wird – und ob sie eine sinnvolle Ergänzung bei den Branchen bringen wird."
Wunsch der Ohligser ist, dass der Investor sein Projekt auf dem früheren Olbo-Gelände mit Umsicht realisiert, wenngleich die Hoffnung darauf nicht besonders groß ist. Flohr: "Bei Großinvestoren zählt doch nur das Geld, nicht die Umsicht."
In Kürze wird es eine weitere Abstimmungsrunde mit der Politik, der Bauverwaltung, aber auch der OWG und dem Architekten der Bayreuther Investoren-Gruppe Graf von Thun und Hohenstein Veith, Eigentümer des Ex-Olbo-Areals, geben. Thema: Umfeld-Verträglichkeit des geplanten Einkaufszentrums. Pikant: Das heutige "Kik"-Gebäude soll dafür ja bekanntlich ebenfalls abgerissen werden, so dass das Einkaufsprojekt größer werden kann, einen direkten Zugang zum Markt bekommt und damit eine Anbindung an die Fußgängerzone der Düsseldorfer Straße.
"Letztes Filetstück in Ohligs"
"Das Projekt ist von großer Wichtigkeit für Ohligs", betont Bezirksvorsteher Marc Westkämper (CDU). Er erwartet, in der November-Sitzung der Bezirksvertretung bereits das Bebauungsplanverfahren politisch anschieben zu können. "Das frühere Olbo-Gelände ist unser letztes Filetstück in Ohligs. Das müssen wir einer vernünftigen Vermarktung zuführen."
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