Solingen: Ohne Eigenkapital kein Haus
zuletzt aktualisiert: 01.10.2008Solingen (RPO). Sparkassen-Kunden brauchen angesichts der Bankenkrise nicht nervös zu werden, sagt Lothar Heinemann. Die Einlagen seien sehr sicher, Häusle-Bauer müssten für einen Kredit eigenes Geld vorweisen können.
Die Finanzkrise bedroht mittlerweile nicht mehr nur Banken. Vor wenigen Tagen ist die größte amerikanische Sparkasse, die Washington Mutual, wegen akuter Zahlungsunfähigkeit von der staatlichen Bundeseinlagensicherung übernommen und an JP Morgan Chase verkauft worden. Lothar Heinemann, Chef der Solinger Stadt-Sparkasse, erklärt, wie es hier um die Einlagen der Sparer bestellt ist.
Gab es seitens Ihrer Kunden schon Panikabhebungen von den Konten?
Heinemann Nein. Panikartige Reaktionen hatten wir nicht. Aber es kommen natürlich täglich Nachfragen, was zu tun oder zu lassen ist und welche Auswirkungen die Finanzkrise hat.
Geschäftszahlen
Gut 2,2 Milliarden Euro haben die Solinger der Stadt-Sparkasse Solingen im ersten Halbjahr 2008 anvertraut, knapp 500 Millionen Euro davon in Wertpapierdepots.
Das Kreditgeschäft belief sich im gleichen Zeitraum auf ein Volumen von 1,44 Milliarden Euro.
Die Wurzeln der Stadt-Sparkasse Solingen gehen nach eigenen Angaben auf das Gründungsjahr 1840 zurück.
Wie sicher ist denn das bei Ihnen angelegte Geld?
Heinemann Sehr sicher. Schließlich haben die deutschen Sparkassen einen sehr weitreichenden Einlagensicherungsfonds, der nicht nur die Einlagen der Sparer absichert, sondern auch eine Institutssicherheit bietet.
Was bedeutet das?
Heinemann Dass keine Sparkasse pleite gehen kann, weil die Sparkassen wechselseitig füreinander einstehen. Diese Form der Einlagensicherung ist weitgehender als die der Privatbanken. Deshalb ist bislang durchaus schon die ein oder andere Bank zusammengebrochen, aber noch keine Sparkasse.
In Amerika ist aber nun mit der Washington Mutual sogar die größte Sparkasse pleite gegangen.
Heinemann Sie ist keine Sparkasse nach deutscher Vorstellung. Das Geschäftsmodell ist ein ganz anderes. Vor 20 Jahren wurde die Washington Mutual privatisiert und war seitdem an der Börse notiert. Sie ist also gar nicht mit deutschen Sparkassen vergleichbar.
Die Washington Mutual ist mit gescheiterten Hypothekenkrediten ins Straucheln geraten. Auch die Solinger Stadt-Sparkasse sieht sich als Finanzpartner der Häusle-Bauer. Könnte auch Ihnen das Hypothekengeschäft einen Strich durch die Rechnung machen?
Heinemann Mit unserem Hypothekengeschäft in 2008 sind wir sowohl vom Volumen als auch von der Qualität her zufrieden. Das hat aber damit zu tun, dass unsere Kunden auch Eigenkapital einsetzen. Nur in Ausnahmefällen gewähren wir Kredite ohne Eigenkapital. Außerdem prüfen wir stets die Kapitaldienstfähigkeit eines Kunden. In den USA ist die Vorgehensweise die genau umgekehrte: ohne Eigenkapital und ohne genauere Prüfung. Das wäre bei uns undenkbar.
Wie groß ist der Geschäftsanteil der Immobilienkredite bei Ihnen?
Heinemann Die Hälfte unseres gesamten Kreditgeschäftes liegt im Wohnungsbau. Da wir Kredite aber, wie gesagt, erst nach eingehender Prüfung und in der Regel nur mit Eigenkapitaleinsatz des Kunden vergeben, sind sie für uns sehr sicher.
Sind Ihre Kunden denn jetzt vorsichtiger in der Geldanlage?
Heinemann Wir verzeichnen weniger Nachfrage nach Aktien. Wir haben unseren Kunden ohnehin immer empfohlen, lieber einen Korb zu kaufen, also in einen Investmentfonds zu investieren, um das Risiko zu senken. Aber auch dort ist es jetzt ruhiger geworden.
Was machen die Leute statt dessen mit dem Geld?
Heinemann Viele legen es im Moment lieber nur kurzfristig an. Die Zinsen sind auch dort attraktiv, und das Geld ist dadurch sicher geparkt, bis wieder bessere Zeiten kommen.
Susanne Genath führte das Gespräch.
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