Solingen: Per Harfe durch die Weihnachtswelt
VON MARTIN SCHLUPP - zuletzt aktualisiert: 19.12.2006Solingen (RPO). Bedächtig. Das ist die Vokabel, die am besten weihnachtliche Musik umschreibt. Zumindest solange wir an unsere traditionellen Lieder und Weisen denken. Was aber wenn es nach Arena, Stier und Torero klingt, statt nach Stall, Ochse und Christkind? Dann hat Tom Daun mit seiner Harfe einen melodiösen Ausflug von der Lutherkirche nach Andalusien gemacht. Zu dem Harfenkonzert „On a winter‘s day“ am Sonntag hatte die Denkmalstiftung und der Bauverein der Lutherkirche eingeladen. Aber nicht nur südspanisches Temperament konnte Tom Daun mit der leisen, feinen Harfe in den Kirchraum zaubern. Er schritt den Globus und die Epochen ab – musikalisch. Kreuz und quer führte er vom England des 17. Jahrhunderts und der „Queen‘s Harp“, einer speziellen Harfe, die für alle Tonarten geeignet ist, durch das C-Dur-Präludium von Johann Sebastian Bach, stimmte einen gregorianischen Choral mit der kleinen gotischen Harfe aus dem 15. Jahrhundert an. Dieses Instrument erzeugt nicht den feinen, klaren Klang der böhmischen Harfe oder der „Queen‘s Harp“. Ihren Tönen ist etwas Sonoriges, etwas Mittelalterliches beigemischt. Und gerade deshalb klang „Es ist ein Ros‘ entsprungen“ ungewöhnlich, aber warm und beruhigend. Mehr als beruhigend, ja beinah meditativ wurde es, als Solist Daun keltische und irische Musik vorstellte. Jedoch waren die ruhig plätschernden Melodien nur der Auftakt. Der Auftakt zu einem spielerisch wirbelnden Tanz mit typisch keltischer Rhythmik. Nach „We wish you a merry Christmas“ und anderen englischen Carols, wendete sich Tom Daun in seinem Programm Südamerika zu. Was, wenn Maria aus den Anden käme und Josef aus Venezuelas Ebene? Na, dann wäre Jesus also ein Venezolaner. Und gerade von diesem „Que si fueran…“ („Was wäre wenn…“) handelte das venezolanische Weihnachtslied. Natürlich kann es bei diesem Gedankenspiel nicht ernst zugehen. Feurig! Das wäre der hier passende Begriff. Bedächtig wurde es dann wieder erst bei den Zugaben, als „Alle Jahre wieder“ erklang.
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