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Solingen: Perspektiven für Gräfrath

zuletzt aktualisiert: 09.11.2010

Solingen (RPO). In der vergangenen Woche hat das Verwaltungsgericht entschieden, dass der alte Gräfrather Bahnhof abgerissen werden darf. Damit endete ein jahrelanges juristisches Tauziehen zwischen Eigentümer Siegfried Lapawa und der Stadt.

Das Verwaltungsgericht hat Freitag entschieden, dass Eigentümer Siegfried Lapawa den denkmalgeschützten Gräfrather Bahnhof abreißen darf.  Foto: RPO
Das Verwaltungsgericht hat Freitag entschieden, dass Eigentümer Siegfried Lapawa den denkmalgeschützten Gräfrather Bahnhof abreißen darf. Foto: RPO

Herr Vogtländer, vergangenen Freitag hat das Düsseldorfer Verwaltungsgericht geurteilt, dass Eigentümer Siegfried Lapawa den Gräfrather Bahnhof abreißen darf. Was sagen Sie dazu?

Vogtländer Ich bin enttäuscht über das Urteil. Schließlich war der Bahnhof ein Stückchen Zeitgeschichte. Der Stadtteil verliert so einen Teil seiner Identität. Ich war beim Prozess selbst anwesend und kann sagen, dass nach drei Sätzen klar war, wie es ausgeht – auch wenn das Gericht zweieinhalb Stunden für die Urteilsfindung gebraucht hat.

Der Bahnhof hat, nach dem Kauf durch Siegfried Lapawa, zehn Jahre brachgelegen. Wer ist aus Ihrer Sicht dafür verantwortlich, dass es nun so weit gekommen ist?

Vogtländer Die Instrumente der Stadt waren in ihren Möglichkeiten während all der Jahre beschnitten. Ich hätte mir einfach gewünscht, dass in diesen zehn Jahren etwas unternommen worden wäre, um die Substanz zu erhalten. Doch das ist nicht geschehen. Als Gräfrather mitverfolgen zu müssen, wie das Gebäude verfällt, tat weh.

Dabei gab es, insbesondere auch von Seiten der Bezirksvertretung, immer wieder Vorschläge zur Gestaltung des Areals.

Vogtländer Allerdings. Wir haben sehr positive Ideen eingebracht, die Büros, Kultur, Einzelhandel und Kleinkunst vorsahen. Leider ist in diese Richtung nie etwas entwickelt worden – ob es nicht möglich, oder schlichtweg nicht interessant war, kann ich nicht beurteilen.

Das Urteil ist ja noch nicht rechtskräftig. Halten Sie eine Berufung durch die Stadt für wahrscheinlich?

Vogtländer Die Stadt möchte abwarten, bis die schriftliche Urteilsbegründung vorliegt, um weitere Schlüsse zu ziehen. Zugleich muss man natürlich die Argumentation des Gerichtes einbeziehen, die darauf basiert, dass der Schaden am Gebäude so groß ist, dass bei einer Sanierung nur zehn Prozent der ursprünglichen Bausubstanz erhalten blieben.

Vorausgesetzt die Stadt akzeptiert das Urteil: Wie kann, soll und muss es nun um das Areal an der Wuppertaler Straße weitergehen?

Vogtländer Es handelt sich bei dem Gelände um das letzte städtebauliche Filet-Stück des Stadtteils und, nicht zuletzt, um das Eingangstor nach Solingen. Da kann man, insbesondere auch aufgrund der direkten Nachbarschaft zum Museum Baden und dem historischen Ortskern, nicht irgendetwas hinmachen. Erst recht keine Autowerkstatt oder einen Reifenhandel, wie es manche vorhaben.

Und stattdessen?

Vogtländer Wir haben vor zwei Jahren schon einen Bebauungsplan für das gesamte Gelände bis zur Walder Straße beschlossen und die Verwaltung aufgefordert, Ideen zu entwickeln, was möglich ist. Es war mal geplant, Einzelhandel zu etablieren, aber mittlerweile gibt es schon Supermärkte am Westring und an der Wuppertaler Straße. Die Zeit bleibt eben nicht stehen.

Was wäre denn Ihre Wunschvorstellung für das Gelände?

Vogtländer Eine gemischte Nutzung aus Kultur, Kleinkunst, Wohnen und Arbeiten. Toll wäre, in direkter Anbindung an die Korkenziehertrasse, beispielsweise eine Fahrradwerkstatt.

Nun gut – aber wie wollen Sie dahinkommen?

Vogtländer Wichtig ist jetzt, dass wir uns mit der Lapawa-Immobilien-Gruppe zusammensetzen, unterstützt von einem Projektentwickler, der uns die Möglichkeiten und Perspektiven aufzeigt. Allerdings stellt sich dann wieder die Frage, wer das zahlen soll. Aber es muss ein Gespräch geben, in dem Dinge auf den Punkt gebracht und dann voran getrieben werden.

Zumal der Bahnhof beziehungsweise das, was von ihm übrig ist, ja nicht die einzige Baustelle in Gräfrath ist.

Vogtländer Das stimmt. Nachdem in den vergangenen Monaten alle Blicke auf den Bahnhof gerichtet waren, möchten wir nun auch noch einmal ans "Meiers" ran.

Das ebenfalls Herrn Lapawa gehört und ebenfalls eine Dauerbaustelle ist.

Vogtländer Ja, wir müssen umfangreiche Gespräche führen.

Was denken Sie, wird bald an der Wuppertaler Straße etwas passieren wird?

Vogtländer Zum Zeitfenster kann ich nichts sagen. Zunächst einmal ist ja zu klären, wann der Bahnhof überhaupt abgerissen wird. So lange müssen wir abwarten.

Maxine Herder führte das Gespräch mit Udo Vogtländer.

Quelle: RP

 
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