Solingen: "Politiker handeln unverantwortlich"
VON SUSANNE GENATH - zuletzt aktualisiert: 21.03.2009Solingen (RPO). Auf der Straße Am Boverhaus auf der Stadtgrenze zwischen Solingen und Hilden war es zwar gestern Nachmittag kühl, dennoch war die Stimmung aufgeheizt. Denn der WDR übertrug von dort für die Sendung "Hallo Ü-Wagen". Thema: Die Kohlenmonoxid-Leitung, die zurzeit von der Firma Bayer hinter der Raststätte Ohligser Heide verlegt wird.
Büsche und Bäume sind bereits auf einem mehrere Meter breiten Streifen neben der Asphaltdecke gerodet. Schwarze Rohre liegen bereit, um demnächst in der Erde zu verschwinden.
Mehrere Dutzend Anwohner und Pipeline-Gegner hatten sich versammelt, um sich zu informieren und einmal mehr zu protestieren. Vertreter der Firma Bayer blieben – trotz Einladung – fern, ließen den WDR jedoch ausrichten, dass man die Sorgen der Bürger ernst nähme. Eine Aussage, die bei dem Publikum für Gelächter sorgte.
Die Wut der Anwesenden richtete sich allerdings nicht allein gegen den Chemieriesen. "Die Politiker handeln unverantwortlich", schimpfte Anwohner Walter Bauer. "Sie betonen Bürgernähe, aber wo ist die?" Im kommenden Wahlkampf werde er jeden fragen, was er in Sachen Pipeline zu tun gedenke. Dieter Donner, Pressekoordinator der Bürgerinitiative "Bau-Stopp der Bayer-Pipeline", lobte immerhin die Stadt Solingen, dass sie auf dem Klageweg – wenn auch vergeblich – versucht hatte, für den Leitungs-Bau kein weiteres städtisches Grundstück zur Verfügung zu stellen. Neben Solingen hatten bereits Monheim, Langenfeld, Erkrath, Ratingen und Duisburg prozessiert. Auch Düsseldorf hatte Klage eingereicht. Die Bauarbeiten, die nun gegen den Willen der Stadt Solingen auf der Straße Am Boverhaus begonnen haben, sieht Donner deshalb als einen Gewinn für den Fortgang der Prozesse.
"Giftgas durch Wohngebiete ist ein Verbrechen von Politik und Bayer" – mit diesem Plakat ist Adolf Bugeroth extra aus Duisburg angereist. "180 000 Menschen entlang der Pipeline werden einfach in Geiselhaft genommen", sagte er. "Denn die Gefahr, die von Kohlenmonoxid ausgeht, kann man nicht über 67 Kilometer im Griff haben." So lang sei aber die Leitung, die von Dormagen nach Krefeld führt. "Wenn die irgendwo hochgeht, sind wir alle dran", nickte Gerlinde Kreutzer, die direkt an der Baustelle an der Straße Am Boverhaus wohnt.
Und dass etwas Schlimmes passiere, ist nach Doris Spielmann-Locks ziemlich wahrscheinlich. "Schließlich sind die Leitungen so gut gekennzeichnet wie Hausgasleitungen", sagte sie. "Das ist eine richtige Einladung für Terroristen." Sie habe deshalb mittlerweile Angst um ihr Leben. "Ruhig schlafen kann man nicht mehr."
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