Solingen: Polizei stürmt die falsche Wohnung
VON GÜNTER TEWES - zuletzt aktualisiert: 09.02.2011 - 15:17Es klingt wie die Geschichte eines Fernsehkrimis, bei dem Handlung sowie Personen frei erfunden sind. Leider hat sich der Fall aber tatsächlich zugetragen.
Bei einer großangelegten Razzia im Drogenmilieu, bei der am späten Donnerstagabend vier Wohnungen in Solingen von der Polizei gestürmt und durchsucht worden sind, ist es zu einer Verwechslung gekommen: Die Einsatzkräfte des Fachkommissariats für Rauschgiftdelikte stürmten zunächst die falsche Wohnung.
Die Fahnder brachen in der Innenstadt die Etagentür eines unbescholtenen Paares auf, standen überfallartig mit gezogenen Pistolen vor ihnen. Harsch gingen sie, wie bei solchen Einsätzen üblich, vor. Bei der Befragung stellte sich dann jedoch die Verwechslung heraus. Daraufhin müssen die Rauschgift-Ermittler sogleich kehrt gemacht und die Nachbarwohnung gestürmt haben. Drogenhunde waren im Einsatz. Der Inhaber dieser Wohnung ist dann mit Handschellen abgeführt worden.
Polizeisprecherin Claudia Otto räumt den dramatischen Fahndungsfehler ein. „Bei der Vollstreckung eines Durchsuchungsbeschlusses ist aufgrund eines Kommunikationsfehlers eine falsche Wohnungstür gewaltsam geöffnet worden.“ Nach ihren Worten steht die Polizei mit den beiden betroffenen Solingern in Kontakt. „Wir haben uns bei ihnen dafür entschuldigt“, berichtet die Polizeisprecherin. „Die Kosten für die Schadensregulierung übernimmt die Polizei.“
Das Finanzielle dürfte dabei aber wohl nur ein Aspekt sein. Den Schock muss das unbescholtene Paar erst einmal verarbeiten. Als die Einsatzkräfte an jenem Abend ihre Wohnung stürmte, hat der 53-Jährige vor dem Fernseher gesessen, seine 48-jährige Lebensgefährtin war schon im Bett und bereits eingeschlafen. Polizeisprecherin Otto ist persönlich jedenfalls kein weiterer Fall bekannt, bei dem es in Solingen jemals zu einer solchen Verwechslung gekommen ist.
Der Sprecher der zuständigen Wuppertaler Staatsanwaltschaft, Oberstaatsanwalt Wolf-Tilman Baumert, bedauert den Vorfall. „Es ist sehr belastend für Menschen, wenn die Polizei mit gezogener Pistole in der Wohnung steht.“
Nach den Durchsuchungen der Wohnungen in Solingen-Mitte sowie Höhscheid sitzen jetzt ein aus Holland stammender 23-jähriger Mann, der Marihuana kiloweise herbeigeschafft haben soll, sowie ein 27-jähriger Drogendealer in Untersuchungshaft. Der 27-Jährige soll zudem auch mit Amphetaminen gehandelt haben, die er von einem 25-jährigen Solinger bezogen haben soll, dessen Wohnung von der Fahndern ebenfalls durchsucht wurde.
Die vierte Wohnung eines 26-Jährigen diente schließlich als Aufbewahrungsort der Drogen. Insgesamt sind von Einsatzkräften ein Kilogramm Amphetamin sowie 47 Gramm Marihuana gefunden worden – sowie rund 6000 Euro Bargeld aus den Drogenverkäufen.
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