Solingen: Profan: Theater auf dem Wasser
VON ANNEMARIE KISTER-PREUSS - zuletzt aktualisiert: 19.02.2009Solingen (RPO). Angetreten, um Punk zu machen, ist das Ensemble Profan heute Garant für moderne aber werktreue Produktionen. Von Goethe bis Ionescu, von Hölderlin bis Werner Schwab, auf an die 100 Inszenierungen kann Gründer und Regisseur Michael Tesch zurückblicken. Für das Jubiläumsjahr gibt es verschiedene Veranstaltungen, darunter ein Wiedersehen mit umjubelten wie umstrittenen Inszenierungen.
Zu den umstrittenen gehörte zweifellos Werner Schwabs Drama "Die Präsidentinnen", das Ende März erneut auf der Studiobühne im Theater zu sehen sein wird. Nach der Solinger Erstaufführung war das Publikum hin- und hergerissen zwischen Jubel und Ablehnung, die eher konservativen Theaterbesucher bombardierten Hans Knopper mit "vielen interessanten Telefonaten", wie es der Kulturbüroleiter gestern bei einem Pressegespräch zum Ensemble-Geburtstag diplomatisch formulierte. "Das Ensemble ist angetreten, um Punk zu machen, heute ist es Berater des Kulturbüros", erinnerte Knopper an die inzwischen bewährte Zusammenarbeit. Nicht nur, dass die Profan-Inszenierungen fester Bestandteil im städtischen Spielplan sind, seit zwei Jahren zeichnet Michael Tesch auch für die Inszenierung des vorweihnachtlichen Kinderstücks verantwortlich. Profan Darsteller Uwe Dahlhaus hat mit kindgerechten Fassungen des Sommernachtstraums und des Sturms bereits zwei Shakespearestücke bearbeitet, die das Stadtensemble erfolgreich aufführte.
"Theater mit einer modernen Bühnensprache ist nötig für die Stadt", sagt Hans Knopper, "Theater, das auch Themen auf die Bühne bringt, bei denen nicht von Anfang an ein volles Haus garantiert ist." Doch die Akzeptanz des Ensembles sei stetig zunehmend, sagt der Kulturbüroleiter, der sich auf weitere Aufführungen aus dem Bereich "riskantes Theater" freut.
"Die Stühle" im Birkerbad
Von denen wird es um Jubiläumsjahr einige geben. Es geht los mit einer Wiederholung des Sartre-Schauspiels "Geschlossene Gesellschaft", dann folgen "Die Präsidentinnen" von Werner Schwab. Die Hauptveranstaltungen sind vom 25. bis 28. Juni sechs Aufführungen im Birkerbad. Gezeigt wird eine Produktion in Kooperation mit der Lebenshilfe, die ihr 50-jähriges Bestehen feiert. Zu sehen ist Eugène Ionescos tragische Farce "Die Stühle". Auch die wird, so verspricht Regisseur Michael Tesch, "extrem werktreu" inszeniert: "Wir suchen die Stücke aus, weil wir den Texten vertrauen."
Hans Knopper wird vermutlich auch in den nächsten 25 Jahren auf das Ensemble, das neun feste Darsteller hat, vertrauen können, denn es kommt ohne jeden Zuschuss aus, und die Darsteller verdienen ihren Lebensunterhalt in anderen Berufen. Ihre Begeisterung gehört allerdings uneingeschränkt dem Theater. "Notfalls würde ich auch ohne Gage spielen", sagt Profan-Darstellerin Dajana Berkenkopf.
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