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Solingen: Rauchfreie Zone

VON MAXINE HERDER - zuletzt aktualisiert: 09.06.2008

Solingen (RPO). Die Solinger Gaststätten sind darauf vorbereitet, dass ab 1. Juli nur noch in speziellen Raucherbereichen gequalmt werden darf. Die Ordnungskräfte warten nun die Umsetzung ab – und die Wirte die Reaktion der Gäste.

Thorsten Steinhaus mit dem Aufkleber, der ab 1. Juli an den Eingangstüren von Gaststätten den Nichtraucherschutz signalisieren muss. Im Restaurant Steinhaus darf schon seit Jahresbeginn nicht mehr geraucht werden.  Foto: RPO
Thorsten Steinhaus mit dem Aufkleber, der ab 1. Juli an den Eingangstüren von Gaststätten den Nichtraucherschutz signalisieren muss. Im Restaurant Steinhaus darf schon seit Jahresbeginn nicht mehr geraucht werden. Foto: RPO

Heinrich Haller mag Solingen. Eigentlich. Denn bei seinen drei Besuchen in der Klingenstadt hat dem Schleswig-Holsteiner eines gestunken: „Ich wurde in einer Gräfrather Gaststätte nach Strich und Faden von den Rauchern zugequalmt“, ärgert sich der 63-Jährige. In seinem Bundesland gelte das Nichtraucherschutzgesetz bereits seit Beginn des Jahres. „Ich genieße es, dass in Lokalen und Restaurants nicht mehr geraucht werden darf. Man weiß das sehr schnell zu schätzen“, sagt Haller.

Bald ist auch in Nordrhein-Westfalen Schluss mit öffentlicher Qualmerei: Am 1. Juli tritt das Nichtraucherschutzgesetz für Gaststätten hier in Kraft. Die Vorbereitungen bei den Gastwirten laufen auf Hochtouren, wie Frank Müller vom Stadtdienst Ordnung bestätigt. „Wir wurden in den letzten Wochen verstärkt mit Anfragen von Gastronomen konfrontiert“, berichtet er. „Viele informieren sich über die Einrichtung von Raucherräumen.“ Die Ideen der Wirte seien meist realistisch und umsetzbar. „Es gab keinen Streit oder Konflikte.“ Auch bei Terminen vor Ort habe er sehr zufriedenstellende Ergebnisse festhalten können. Die meisten Gastronomen akzeptierten die neue Gesetzeslage und versuchten, sich so gut wie möglich darauf vorzubereiten. „Die Situation ist entspannt, aber wir blicken gespannt auf die Umstellung“, sagt Müller.

Info

Nichtraucherschutz

Im August 2007 haben Niedersachsen, Baden-Württemberg und Mecklenburg-Vorpommern eigene Nichtraucherschutzgesetze in Kraft gesetzt.

Seit September 2007 gilt deutschlandweit Rauchverbot in Taxen, öffentlichen Verkehrsmitteln und Bundesbehörden.

Ab Januar 2008 gelten in fast allen Bundesländern Rauchverbote mit unterschiedlichen Ausnahmeregelungen.

NRW und Thüringen installieren ihre Rauchverbote als letzte Bundesländer erst im Sommer 2008.

Gespannt ist auch Andreas Heibach. Er betreibt seit 15 Jahren das „Al B’Andy“ in Wald und wird in den nächsten Wochen mit dem Einbau von Glasverkleidungen und Türen in seiner Kneipe beginnen: „Im Al B’Andy wird es künftig einen kleinen Raucherbereich geben, der Rest des Lokals wird rauchfrei sein.“ 90 Prozent der Gäste seien Raucher. „Eine komplette Nichtraucherkneipe wäre nicht denkbar.“

Dabei sind die baulichen Maßnahmen und zusätzlichen Investitionen seine kleinste Sorge. „Ich befürchte ein Riesen-Sterben in der Gastronomie. Viele Wirte können den Umbau nicht finanzieren. Eine Umsatzeinbuße von 20 Prozent bedeutet für 90 Prozent der Kneipen das Aus“, ist sich Heibach sicher. Gefährdet sieht er vor allem die klassischen Eckkneipen. „Wir reden hier von Existenzen“, verdeutlicht der Wirt.

Vorreiter am alten Hauptbahnhof

Diese Einschätzung teilt Thorsten Steinhaus vom Restaurant Steinhaus: „Ich verstehe die Existenzängste der kleinen Kneipen, in denen es um geselliges Beisammensein bei einem Bier geht. Sie leiden wirklich darunter.“ Bezüglich der Umsetzung des neuen Gesetzes ist er schon einen Schritt weiter: „In unserem Restaurant darf bereits seit dem 1. Januar nicht mehr geraucht werden. Wir haben dies mit unseren Mitarbeitern einstimmig beschlossen. Das Nichtraucherschutzgesetz kommt ohnehin, da machen sechs Monate auch keinen Unterschied.“

Die Rückmeldung der Gäste sei gemischt, viele hätten die Entscheidung jedoch begrüßt. Umsatzeinbußen kann Steinhaus bisher nicht feststellen: „Manche Gäste kommen häufiger, andere seltener, das hält sich die Waage.“ Fest steht: Bei seinem nächsten Besuch wird sich Heinrich Haller nicht mehr ärgern müssen und sich ganz auf die kulinarischen und touristischen Sehenswürdigkeiten Solingens konzentrieren können.

Quelle: RP

 
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