Solingen: Renovierung mit Imageproblem
VON MARTIN OBERPRILLER - zuletzt aktualisiert: 26.08.2008Solingen (RPO). Die „Hells Angels“, die die Kneipe „Beim Öhm“ in Aufderhöhe auf Vordermann bringen, hatten früher ihr Domizil in Viersen. Dort gab es keine Probleme, sagt die Polizei. Dennoch herrscht weiter Unsicherheit.
Man kann nicht eben behaupten, dass der Herr mittleren Alters übermäßig gesprächig ist. Eben hat der Mann mit Irokese-Haarschnitt und tätowierten Armen das Gerüst an der alten Gaststätte erklommen, ein Eimer rote Farbe steht vor seinen Füßen. Doch wofür die Verschönerungsarbeit am Ende gut sein soll, will er nicht verraten. „Dazu äußern wir uns nicht“, erklärt der Mann, der an diesem Morgen den Fensterbänken der ehemaligen Kneipe „Beim Öhm“ in Aufderhöhe einen neuen Anstrich verpasst.
Und sorgt so zunächst einmal nur dafür, dass dem Image seines Motorrad-Klubs eine ähnliche Grundsanierung verwehrt bleibt. Seit einigen Wochen ist klar, dass die Abteilung „Midland“ der „Hells Angels“ die einstmals gutbürgerliche Gaststätte umbaut. Und genauso offensichtlich erscheint, dass in der Nachbarschaft des heruntergekommenen Anwesens an der Neuenkamper Straße gewisse Sorgen Einzug gehalten haben (wir berichteten). „Wir wissen nicht, was hier geplant ist“, erzählt eine Frau, die ein paar Häuser weiter lebt und jetzt überlegt, ob sie ihre Wohnung verkaufen soll.
„Bandidos“ in Opladen
In der Vergangenheit war es zwischen „Hells Angels“-Mitgliedern sowie Rockern der rivalisierenden „Bandidos“ immer wieder zu Auseinandersetzungen gekommen. Dabei waren auch Tote zu beklagen gewesen.
In der nähreren Umgebung gibt es in Leverkusen-Opladen einen „Bandido-Treffpunkt“.
Ortswechsel: Im Polizeipräsidium Mönchengladbach kennt man sich mit dem Solinger Immobilienmarkt naturgemäß nicht besonders gut aus. Doch der verunsicherten Nachbarin würden die Beamten zunächst einmal raten, ihr Eigentum nicht zu veräußern. „Es gab mit den Hells Angels keine Probleme“, berichtet ein Sprecher. Das so genannte Chapter „Midland“ der weltweit organisierten Motorradfahrer residierte bisher in Viersen nördlich von Mönchengladbach. Aber Ärger gab es nie. „Das sind zum großen Teil ganz normale Leute“, fährt der Polizei-Sprecher fort.
Sechs Jahre lang betrieben die „Hells Angels“ in Viersen in einem ähnlich unansehnlichen Haus wie das „Beim Öhm“ ihr Klubheim. Und nicht jeder der Anrainer teilt die Einschätzung der Polizei. Vor allem über lauten Motorradkrach mokieren sich die Nachbarn noch heute. Gleichwohl, wenn das die einzige Belästigung bliebe, die nach dem Einzug der Motorrad-Fans in Aufderhöhe zu beklagen wäre, würden wohl bei manchem Nachbarn die Sektkorken knallen. Denn hinter vorgehaltener Hand befürchten einige, am Ende könnte im „Beim Öhm“ ein Bordell aufmachen.
Die Stadt Solingen ist noch nicht im Bilde, kündigt für den Fall der Fälle allerdings schon einmal an, dass sie ein eventuelles horizontales Etablissement genau überprüfen würde. Dennoch, Stadtsprecherin Birgit Wenning stellt klar, dass es „in Solingen keinen Sperrbezirk gibt“.
Stadt wartet auf Antwort
Im Klartext: Ein Bordell könnte nicht in jedem Fall verhindert werden. Doch so weit ist die Entwicklung noch nicht. Zurzeit wartet die Stadt, bei der man nicht mit einem Bordell rechnet, auf eine Antwort des bisherigen Eigentümers. Sie will wissen, was mit dem Gebäude geplant ist.
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