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Solingen: Rückkehr in die Heimatsprache

VON MARTIN SCHLUPP - zuletzt aktualisiert: 13.11.2007

Solingen (RPO). Hilde Domin, die als „Dichterin der Rückkehr“ bezeichnet wird, verstarb im Februar 2006. Der bedeutenden deutschsprachigen Lyrikerin huldigte nun Nina Hoger in einer Lesung im Museum Baden.

Schauspielerin Nina Hoger suchte immer wieder Blickkontakt mit dem Publikum im Museum Baden – fast so, als sei sie in einem Dialog mit den Zuhörern.   Foto: RPO
Schauspielerin Nina Hoger suchte immer wieder Blickkontakt mit dem Publikum im Museum Baden – fast so, als sei sie in einem Dialog mit den Zuhörern. Foto: RPO

Löwenstein, Palm, Domin – die deutsch-jüdische Lyrikerin Hilde Domin trug viele Namen. Jenen, unter dem wir sie heute kennen, gab sie sich selber nach ihrer Rückkehr aus dem Exil, als sie begann, zu schreiben. Schauspielerin Nina Hoger würdigte nun die Poetin im Museum Baden in einer „Hommage an Hilde Domin“.

Wie Puzzleteile fügte Hoger in ihrer Lesung im Meistermannsaal Gedichte und Erinnerungen der Domin zusammen, verkittete diese Lebenszeugnisse mit eigenen Texten über die Schriftstellerin und mit frei assoziierter Klarinettenmusik ihres Begleiters Reinhard Noisten, so dass am Ende ein lebendiges Bild der großen Dichterin entstand.

Info

Nina Hoger

Nina Hoger ist eine deutsche Schauspielerin. Sie steht auf der Bühne, spielt in Film- und Fernsehproduktionen mit. 1979 erhält die heute 46-Jährige ihre erste Filmrolle in Hartmut Griesmayrs „Fallstudien“.

Die gebürtige Hamburgerin arbeitet derzeit gemeinsam mit Reinhard Noisten an einem Hörbuch über Else Lasker-Schüler.

Ganz in schwarz saß Hoger auf einem Podium im Meistermannsaal. Nur ihre orangefarbenen Haare, ihr rot geschminkter Mund und ihre roten Stiefeletten fielen ins Auge. Über ihre Lesebrille blinzelnd suchte sie immer wieder Blickkontakt mit dem Publikum – fast so, als sei sie in einem Dialog mit ihm. Aus ihr sprach eine starke Frau, eine emotionale Frau, die auch flüstern kann, eine politische Frau, die auch energisch akzentuieren kann. Ihre Hände vergrub sie ineinander – so, als sei ihr kalt. Und angesichts der bewegenden Lebensgeschichte der Domin, die als Jüdin selbst die Kälte des Exildaseins und der Entwurzelung erfahren musste, ist ein Frösteln durchaus nachvollziehbar. Erst recht wenn man sich dem Leben der Lyrikerin auf eine so emotionale Weise nähert, wie Hoger es tat.

1909 wird Hilde Domin als Hilde Löwenstein in Köln geboren. Ihr Vater ist jüdischer Anwalt, die Familie ist wohlhabend. Ihre Kindheit erscheint als glücklich und behütet. Einzig, dass sie das Lügen nicht gelernt habe, wirft sie ihren Eltern vor. Bereits 1932, ein Jahr bevor die Nazis Deutschland mit faschistischem Terror überziehen, wandert Domin gemeinsam mit ihrem späteren Ehemann Erwin Walter Palm nach Rom aus.

Sie studiert dort und promoviert in Staatswissenschaften. Für die nächsten 22 Jahre sollte sie ihre Heimat nicht wieder sehen.

Italien war nur die erste Station ihres Exils. Es folgen Großbritannien und die Dominikanische Republik, die Namensgeber für ihr späteres Pseudonym „Domin“ werden würde. Erst nach dem Tod der Mutter 1951 beginnt sie zu dichten. „Ich wusste, was ein Wort ist. Ich befreite mich durch Sprache“, erzählt sie in der Rückblende. Zwar beherrschte Domin Fremdsprachen, doch sie fühlte sich im Deutschen zuhause. Ohne diese sprachliche Heimat, „lebte ich nicht mehr“.

Umso wichtiger ist für sie die Rückkehr aus dem Exil in ihre sprachliche Heimat. „Ich ging heim ins Wort“, wird sie später schreiben. Diese Rückkehr und nicht das Exil ist es, das sie und ihr Werk prägt. Sie spürt weder Hass noch Bitterkeit gegenüber den Deutschen. Auch wenn sie in ihrem Gedicht „Graue Zeiten“ die Bundesrepublik als „Land, in dem sich die Toten fürchten“ beschreibt. Sie lässt sich in Heidelberg nieder und bewohnt gemeinsam mit ihrem Mann zum ersten Mal eine „normale“ Wohnung, die nicht bloße Zwischenstation sein sollte. Sie schreibt Gedichte, Prosa, Essays, Theoretisches. Am 22. Februar 2006 starb Domin in Heidelberg.

Quelle: RP

 
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