Solingen: Schaafenkotten gerät ins Abseits
VON STEFANIE MERGEHENN - zuletzt aktualisiert: 06.08.2010Solingen (RPO). Nicht nur Spaziergänger prallen seit drei Wochen am Tor der Bruchermühle ab: Die östlichen Nachbarn sollen nun eine kostenintensive Nutzungsvereinbarung mit den Weg-Eigentümern unterschreiben, um wieder an Post, Müllabfuhr und Wegerecht angeschlossen zu werden.
Nutzungsvereinbarung
§1 Beteiligung an den mit 3000 Euro veranschlagten Baukosten für die beiden Zauntore des Hofraumes der Brucher Mühle plus Instandhaltungskosten (...).
§6f. Nutzungsvergütung von monatlich 90 Euro für die Montage einer drahtlosen Klingelanlage.
Die Itter plätschert, Wildrosen und Löwenmäulchen säumen den Weg – Idylle pur im Naturschutzgebiet Ittertal. Wären da nicht die kämpferischen Zettel, die den vom östlichen Wanderparkplatz kommenden Spaziergänger schon an der Breidenmühle auffordern, seine Unterschrift für den freien Durchgang bis zum Müllersberg zu leisten. "Über 400 sind seit Samstag zusammengekommen", berichtet Angela Rothe stolz, die "wie alle Familien an der Breidenmühle seit 14 Jahren weder Probleme mit Bikern noch Hundehaltern noch Reitern" habe. Anlass für die Aktion war die aus ihrer Sicht "völlig unverhältnismäßige Reaktion der Legners".
Gericht deklariert Weg als "privat"
Wie berichtet, haben Sabine und Gero Legner Mitte Juli den Weg, der über ihr Gelände bis zum Schaafenkotten führt, durch zwei Tore sperren lassen. Im Dezember hatte das Verwaltungsgericht Düsseldorf den Eigentümern der Bruchermühle Recht gegeben, dass der seit Jahrzehnten als Spazierpfad genutzte Weg durchs Ittertal nie als "öffentlicher Weg" gewidmet worden sei.
Deshalb hat Nachbar Alexander Wettschereck nun auch Post von Legners Anwalt bekommen. Bis Ende des Monats soll er eine kostenintensive Nutzungsvereinbarung (siehe Info) unterschreiben, damit er und seine beiden Mieter auch künftig über Legners Privatweg – die einzig reguläre Zufahrt – den Schaafenkotten ansteuern dürfen. Wettschereck, der den ehemaligen Schleiferkotten 1996 erworben und zum Wohnhaus umgebaut hat, hat nun ebenfalls einen Anwalt eingeschaltet: "Für mich erfüllt dieses Schreiben den Tatbestand der Nötigung und der Erpressung."
"Die Familie wird quasi in Geiselhaft genommen", empört sich Volker Hoppe – nur einer von zahlreichen Spaziergängern, die sich auf Wettscherecks Grundstück einfanden, um ihrem Ärger Luft zu machen. Ulrike Carl kann nur staunen, wie "konsequent sich die Legners gegen das allgemeine Interesse stellen". Als die Familie vor fünf Jahren die Bruchermühle ersteigerte, habe sie schließlich gewusst, dass der Weg von einer breiten Öffentlichkeit genutzt wird.
Eigentümer parkt nun außerhalb
Bis zur gerichtlichen Einigung hat Wettschereck dafür eine Fernbedienung (fürs westliche Tor) und Schlüssel (fürs östliche) erhalten, die er aber seiner Mieterin ausgehändigt hat: Eva Petrell ist Krankenschwester, muss den Weg auch mal während der Nachtschicht nutzen – und verstößt damit prompt gegen Paragraf 2 der Nutzungsvereinbarung ("Nachtruhe der Brucher Mühle muss gewahrt bleiben"). Der Eigentümer des Schaafenkottens parkt derweil an der Paul-Klee-Straße: "Im Winter ist die ins Ittertal führende steile Treppe aber sicher nicht zu nutzen." Die ist derzeit aber für ihn und seine beiden Söhne die einzige Möglichkeit, Einkäufe und sonstiges Gepäck zu transportieren. Der Müll wird derweil zum Müllersberg gebracht – und ein Postfach ist bereits beantragt.
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