Solingen: Schule für türkische Kinder?
VON GÜNTER TEWES - zuletzt aktualisiert: 29.02.2008Solingen (RPO). Eine neue Privatschule steht in den Startlöchern. Besonderheit: Die rund 30 Kinder auf der Anmeldeliste sind alle türkischer Herkunft. Im Sommer soll es in Mangenberg losgehen, mit jeweils einer Realschul- und Gymnasialklasse 5.
Von der Finanzierung bis zur Frage, ob auf Deutsch oder Türkisch unterrichtet wird – das Konzept der neuen Privatschule liegt beim Spektrum Bildungs- und Dialogverein mit Sitz an der Goerdelerstraße, bereits fix und fertig auf dem Tisch. „Wenn wir das Gebäude haben, können wir loslegen“, berichtet Vorsitzender Necattin Topel unserer Zeitung. Sogar erste Lehrer sind bereits gefunden. „Aus der Türkei wollen wir aber keine Lehrer holen“, sagt der 38-jährige Merscheider Apotheker.
Nach den Sommerferien sollen die ersten Kinder türkischer Herkunft in dem dann frei werdenden Schulgebäude der Hauptschule Mangenberg unterrichtet werden. „Wir planen ein privates Gymnasium und eine private Realschule.“ Es soll eine jeweils einzügige Ganztagsschule werden.
Spektrum
Als gemeinnütziger Verein wurde Spektrum im Jahr 2003 gegründet. „Wir sind parteilos, überkonfessionell, unabhängig und haben keine wirtschaftlichen Interessen“, heißt es bei dem Bildungs- und Dialogverein mit Sitz an der Goerdelerstraße. Auch in Remscheid gibt es ein Büro.
Slogan ist: „Zusammenleben geht über bessere Bildung.“ Ein Schwerpunkt ist, Schulkindern türkischer Herkunft Zusatzunterricht in Deutsch oder Mathe zu geben, damit sie in der Schule nicht den Anschluss verlieren.
Vor über einem Jahr ist der Antrag bereits bei der Bezirksregierung gestellt worden. Eigentlich wollte Spektrum schon im vergangenen Sommer mit dem Unterricht beginnen. Wegen des fehlenden Schulgebäudes war das nicht möglich. Jetzt ist das anders. Der Bildungs- und Dialogverein, dessen Vorstand aus sieben türkischstämmigen Männern besteht, will keine weitere Zeit verlieren und forciert den Beginn in Mangenberg, obwohl dort ein Jahr später das Lehrerseminar einzieht. Dann soll die neue Privatschule entweder in dem frei gewordenen Lehrerseminar-Gebäude Nibelungenstraße oder in die Carl-Ruß-Schule, Elsa-Brändström-Straße, umziehen, die ja ebenfalls verlagert werden soll.
„Beide Gebäude wären für uns geeignet. Wir bewerben uns“, sagt Topel. Vermieten muss Solingen dem Verein die Immobilie nicht. „Wir wollen das Gebäude auch kaufen.“ Auf die Frage, woher das Geld komme, sagt der Apotheker: „Wir haben in unserem Verein viele Geschäftsleute, die aus dem Solinger Raum stammen. In dem Projekt steckt unser Herzblut. Bildung ist die Voraussetzung für Integration.“
Allerdings dürfte die Schule ausschließlich mit Kindern türkischer Herkunft starten. Jeweils rund 15 dieser Kinder für den Gymnasial- und den Realschulzweig stehen nach Topels Worten auf der Anmeldeliste. Die Hälfte kommt aus Solingen, andere aus Remscheid, Hilden, Wuppertal, Haan und sogar aus Düsseldorf.
Die Schule, die in der Art in der Region einzigartig sei, solle Magnetwirkung haben. Nach seiner Überzeugung ist das Projekt „gut für Solingen“. Aber: „Wir wollen nicht als türkische Schule oder islamische Schule abgestempelt werden.“ Auch Kinder deutscher Herkunft oder anderer Nationalitäten seien willkommen. „Wir wollen eine internationale Schule sein.“ Nach Topels Darstellung erfüllt das Projekt die Kriterien einer Ersatzschule, so dass üblicherweise auch hier Landesmittel fließen. „Den Rest finanzieren wir selbst. Die Stadt Solingen braucht sich an den Kosten nicht zu beteiligen.“ Ein Schulgeld von maximal 200 Euro pro Monat hält er für möglich.
Ethik auf dem Stundenplan
Topel betont, dass kein islamischer Religionsunterricht angeboten wird, dafür aber das Fach Ethik auf dem Stundenplan steht. Außerdem wird die Sprache Türkisch in einer Arbeitsgemeinschaft unterrichtet. „Ich stehe für Integration.“ Topel wendet sich gegen das Nebeneinander der Kulturen in der Gesellschaft, will für das Miteinander kämpfen. Die Befürchtung, dass die neue Privatschule als separates Gebilde genau das Gegenteil seines Anliegens bewirken könnte, hat er nicht. Der Spektrum-Verein will das Projekt und speziell die offene Frage des Schulgebäudes „im Einklang“ auf die Beine Stelle. „Wir brauchen politische Unterstützung.“
Online-Forum
Sie wollen uns Ihre Meinung zum Thema mitteilen? Schreiben Sie uns über das angehängte Onlineforum.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum



