Solingen: Schutzzaun an der A 3 kommt
zuletzt aktualisiert: 07.11.2008Solingen (RPO). mit Revierförster Michael Conrad über pfiffige Wildschweine – und Mittel, wie man ihnen Herr werden kann. Straßen NRW plant für kommendes Jahr Sicherungsmaßnahmen an der Autobahn durch die Ohligser Heide.
Herr Conrad, am Wochenende knallte auf der Autobahn bei Leverkusen eine junge Autofahrerin mit einem Wildschwein zusammen. Da ist es dann wohl nur eine Frage der Zeit, wann es auch in der Ohligser Heide knallt?
Conrad Jetzt malen Sie bitte den Teufel nicht an die Wand. Aber es ist schon richtig: In den vergangenen Jahren hat die Wildschwein-Population im Solinger Westen zugenommen.
Eine Gefahr für die Autofahrer?
Conrad Eine Gefährdung kann nicht ganz von der Hand gewiesen werden. Man muss aber auch eine vorsichtigere Fahrweise in Waldgebieten anmahnen. Wenn ich über die Langhansstraße in mein Revier fahre, werde ich ständig von Rasern überholt. Wenn dann plötzlich ein 80-Kilo-Keiler im Weg steht, kracht es natürlich!
Planung läuft
Ein Sprecher von Straßen NRW bestätigte gestern gegenüber unserer Zeitung die geplanten Sicherungsmaßnahmen an der Autobahn A 3. Allerdings müssten noch behördliche Vorarbeiten erledigt werden. Bei Straßen NRW kennt man sich mit dem leidigen Thema aus. An der A 3 kreuzen öfter Borstentiere die Fahrbahn. Der Sprecher: „Ohligs und der Königsforst sind gefährliche Stellen.“
Und durch die Heide führt die A 3!
Conrad Wir vom Stadtdienst Natur haben Straßen NRW auf diese Gefahr aufmerksam gemacht, und es ist uns in Aussicht gestellt worden, dass Ende 2009 dort ein stabiler Schutzzaun erstellt wird.
Was die Schweine von der Autobahn abhält. Aber andere Bereiche wie der Friedhof Ohligs, der vor Tagen heimgesucht wurde, liegen weiter ungeschützt. Müssten die Tiere da nicht intensiver bejagt werden?
Conrad Aber das geschieht doch! Nur dürfen Sie sich das nicht zu einfach vorstellen. Erstens handelt es sich bei Wildschweinen um nachtaktive Tiere. Da hocken Sie dann als Jäger meinetwegen Stunden lang auf dem Hochsitz – und wenn dann plötzlich eine Rotte auftaucht, kann man sie unter Umständen bei bedecktem Himmel nicht sehen. Außerdem wurde der Zaun um den Friedhof jetzt durch Moniermatten verstärkt – das dürfte die Schweine nun abhalten.
Wie viele Tiere haben Sie denn in den vergangenen Jahren erlegt?
Conrad 2007 waren es vier, dieses Jahr bislang zwei.
Nicht eben viele!
Conrad Das ist schon eine gute Quote. Denn man darf sich den Bestand in der Heide auch nicht riesig vorstellen. Vergangenes Jahr hatten wir schätzungsweise 30 Tiere, die aber auch ständig herumziehen und nicht immer im Jagdrevier sind.
Wildschweine vermehren sich schnell?
Conrad Ja, das würden sie – wenn sie könnten, wie sie wollten. Sehen Sie, das Problem mit Wildschweinen in unseren Breitengraden besteht darin, dass sich Mensch und Tier in die Quere kommen können. Aber das begrenzt natürlich auch den Bestand. 14 Schweine kamen 2007 in unserem Bereich allein durch S-Bahn-Unfälle ums Leben.
Meiden die Tiere solche Stellen denn nicht instinktiv?
Conrad Nein! Bahnen und Autos werden von den Tieren erst mal nicht als Gefahr erkannt. Den größten Blutzoll unter dem Wild verursacht in meinem Bereich die technische Welt. Trotzdem ist es weiter nötig, schwache und kranke Tiere waidgerecht zu bejagen.
Auch im Bereich des Friedhofs? Einige Besucher waren geschockt, als sie die Verwüstungen im dortigen Bereich sahen.
Conrad Das kann ich verstehen. Aber gerade jetzt im Herbst zieht es die Tiere in solche Gebiete, in denen sie Futter vermuten. Das Problem verlagert sich im Lauf des Jahres. Im Sommer haben die Landwirte den Ärger, weil die Schweine dann auf den Äckern auf Futtersuche gehen.
Ist es gefährlich, wenn man zum Beispiel im Wald auf eine Rotte trifft?
Conrad Gefährlich sind Wildschweine nur, wenn sie verletzt sind oder in die Ecke getrieben werden. Dann können sie auch sehr kräftig zubeißen! In der Regel gehen sie dem Menschen aber aus dem Weg. Schlechte Erfahrung prägt eben.
Ganz schön schlau, diese Schweine.
Conrad Ja sicher, es sind pfiffige Tiere. Die suchen sich zum Beispiel immer wieder neue Wege auf den Friedhof.
Aber die Jäger lassen sich von den Tieren trotzdem nicht ins Bockshorn jagen, oder?
Conrad (lacht) Wir geben uns Mühe. Aber im Ernst, natürlich werden wir jetzt die Stellen, an denen die Wildschweine den Zaun überwunden haben, etwas genauer beobachten. So einfach lassen wir uns nicht austricksen.
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