Solingen: Schweinegrippe: Impfplan steht
VON SUSANNE GENATH - zuletzt aktualisiert: 11.09.2009Solingen (RPO). Die Stadt will in Ohligs eine Impfstelle einrichten. In den Räumen an der Zweibrücker Straße wurden in den 60er-Jahren schon die Schluckimpfungen durchgeführt. Hausärzte impfen chronisch Kranke.
Voraussichtlich im Oktober wird nach Auskunft von Joachim Eichenberg, dem Leiter des Gesundheitsamtes, der Impfstoff gegen die Schweinegrippe vorliegen. Und dann sollen die Reihenimpfungen in Solingen auch schon starten. "Wir rechnen damit, dass wir wöchentlich 4000 Impfdosen geliefert bekommen", berichtete Eichenberg gestern im Sozialausschuss, der im Theater tagte. "Im August wurde mit der Produktion begonnen."
Wer den Schutz gegen das A/H1N1v-Virus (das "v" steht für "verändert") erhalte, sei nun klar geregelt. "Die Betriebsärzte impfen das Personal, das im medizinischen Bereich tätig ist." Beschäftigte im Bereich von Sicherheit und Ordnung – wie Polizisten, Feuerwehrleute und Rettungsdienstmitarbeiter – würden vom Gesundheitsamt geimpft. Und Schwangere sowie chronisch Kranke durch die niedergelassenen Ärzte. "Denn wer sollte besser als die Hausärzte wissen, wer chronisch krank ist?", meinte Eichenberg. Die überwiegende Zahl der Solinger Hausärzte habe sich dazu auch bereit erklärt. Jetzt sei nur noch die Bezahlung der Schutzimpfung zu regeln.
Erkrankungen
Krankheitsfälle Seit April 2009 hat es in Solingen offiziell 43 bestätigte Schweinegrippefälle und 70 Verdachtsfälle gegeben. Da aber grundsätzlich jede Grippe mit Husten und über 38 Grad Fieber ein Verdachtsfall sei, sei die Zahl sicher deutlich höher, erklärt Gesundheitsamtsleiter Joachim Eichenberg.
Risikopersonen Besonders gefährdet sind junge Menschen, Schwangere, Fettleibige, Zuckerkranke und andere chronisch Kranke.
Schutz Um einen über 90-prozentigen Schutz zu gewährleisten, muss zwei Mal geimpft werden. Denn um die Ausbeute zu erhöhen, wurden in den Impfdosen die Wirksubstanzen verringert und dafür die Verstärkersubstanzen erhöht, die die Wirksamkeit verbessern sollen.
Die Stadt werde in Ohligs an der Zweibrücker Straße eine Impfstelle einrichten. "Dort wurden in den 60er-Jahren auch schon die Schluckimpfungen gegen Polio durchgeführt." Der Ort sei dafür also geeignet. Insgesamt werde der Impfstoff für ein Drittel der Bevölkerung reichen. "Ob sich so viele impfen lassen, müssen wir abwarten." Ohnehin müsse das Medikament erst noch zugelassen werden. "Für die Risikopersonen ist diese Impfung zu empfehlen, denn wir müssen mit einer zweiten Ansteckungswelle rechnen", sagt der Leiter des Stadtdienstes Gesundheit.
Die teilweise verbreitete Angst vor gefährlichen Nebenwirkungen der Immunisierung ist seiner Meinung nach nicht gerechtfertigt. "Das Robert-Koch-Institut, das diese Impfung empfiehlt, hat eine ganze Menge an fundierten Erkenntnissen", erklärte der Arzt. "Außerdem wird bei jeder Impfung eine Risikoabschätzung betrieben."
Dagegen seien die Befürchtungen groß, dass im Februar und März, wenn die normale Grippe um sich greife, beide Erreger "eine unheilvolle Allianz eingehen". "Dann helfen nur noch Händewaschen mit Seife und ein In-den-Ärmel-Niesen." Dies seien auch jetzt schon probate Mittel, um sich zu schützen. Bislang habe die Stadt Glück gehabt, dass die Schweinegrippe glimpflich verlaufen sei. "Aber wir sind auch auf schwere Fälle vorbereitet", erklärte Robert Krumbein, der Leiter des Stadtdienstes Soziales. Seit im April die ersten Fälle in Mexiko aufgetreten seien, habe sich der Krisenstab – bisher ohne Krise – regelmäßig getroffen und die nötigen Vorkehrungen getroffen. "Die drei Solinger Krankenhäuser sind bestens vorbereitet", versicherte Eichenberg. "Denn wir hatten ursprünglich ja mit Schlimmerem gerechnet."
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