Solingen: „Serke spricht das Herz an“
VON MATTHIAS KNISPEL - zuletzt aktualisiert: 31.03.2008Solingen (RPO). „Diese Sammlung trägt die Geschichte derer in die Welt hinaus, die in die Todesmühlen der beiden totalitären Systeme geraten sind.“ Der Berliner Professor Hans-Dieter Zimmermann zeichnet während seines Vortrages im voll besetzten Ratsaal des Museums Baden persönliche Schicksale nach, die in 71 Jahren Zeitgeschichte nach seinen Worten „die Familienchronik vieler“ sein könnten.
Bei großer Medienpräsenz wurde an der Wuppertaler Straße die Ausstellung „Himmel und Hölle zwischen 1918 und 1989 – die verbrannten Dichter“ des Sammlers und Journalisten Jürgen Serke eröffnet, die das Grauen der nationalsozialistischen sowie der kommunistischen Diktatur dokumentiert.
„Irrsinn der Nazis“
Vielen Deutschen ist die Bücherverbrennung vom Mai 1933 als „Aktion gegen den undeutschen Geist“ ein Begriff, bei dem Werke unter anderem von Brecht, Heine, Kästner und Kafka verbrannt wurden. Laut Franz Haug transportiert Serkes Sammlung mit Originalmanuskripten, Fotos und Nachlässen verfolgter Künstler die Botschaft vom „Irrsinn der Nazis sowie dem Wahn rassistischer Überlegenheit“ auf eindrucksvolle Art und Weise.
Dies ist nach Ansicht des Oberbürgermeisters insbesondere in einer Zeit wichtig, in der die meisten Zeitzeugen nicht mehr leben. An ihrer Statt übernehme nun das Museum Baden die wichtige Aufgabe, heute und auch in Zukunft Gespräche und einen Gedankenaustausch über das dunkle Kapitel deutscher Geschichte anzustoßen und so dem Vergessen entgegenzuwirken. Auch warb er für finanzielle Unterstützung von Bund und Land, um die Ausstellung – sie ist eine Leihgabe der Wuppertaler Else-Lasker-Schüler-Stiftung – dauerhaft in Gräfrath beherbergen zu können.
„Glücksfall“ fürs Museum Baden
Nach Auffassung von Hajo Jahn, dem Vorsitzenden besagter Stiftung, hat Jürgen Serke Exponate zusammengetragen, die dem Besucher den Blick in das eigene Herz öffneten. „Das mitfühlende Herz“, ergänzt Philologie-Professor Zimmermann, der den Nicht-Philologen Serke lobend als „Dilettant im positiven Sinne“, als Liebhaber mit jeder Menge Talent und Beharrlichkeit bezeichnet.
Für ihn setze sich die Ausstellung sogar mit insgesamt drei historischen Übeln auseinander: Mit der NS-Diktatur, der Verfolgung durch den russischen Bolschwismus sowie dem fatalen Signal des Münchner Abkommens von 1938 als Höhepunkt der Appeasement-Politik. Dort hatten die Regierungschefs Großbritanniens, Frankreichs und Italiens dem Anschluss des Sudentenlandes an das Deutsche Reich zugestimmt. Zimmermann bezeichnete es als Glücksfall, dass Serke mit seiner Sammlung die Ausstellung von Gerhard Schneider im Museum Baden ergänzen kann.
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